BLUTIGE TRÄNEN: EIN LAND ZERBRICHT

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REMEMBERS Gastbeitrag von Evelin Piéza

Erst beklagt die Welt den Terroranschlag in Paris, jetzt beklagt sie den Mord an Boris Nemzow — einen Oppositionspolitiker, der, außer für die Weltverbesserer der USA und die Führungselite in Kiew, in den letzten Jahren wohl für niemand anderen, und schon gar nicht für die Russen, wichtig war.

Die Meisten hörten den Namen Nemzow  erst, nachdem er nicht mehr unter uns weilte. Dennoch beklagt die Welt den Verlust und ungeachtet dessen, dass niemand getötet werden sollte und man nichts miteinander aufrechnen sollte, findet die Welt nicht den Ansatz einer Klage, wenn es um die Tausenden Opfer des von Kiewer Regierung geführten Krieges gegen die eigene Bevölkerung geht.

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Rund 70.000 Tote, die der Krieg im Donbass bis jetzt gekostet hat

Es gibt immer noch keine offiziellen Opferzahlen, aber allein in den letzten 6 Wochen wurden im Donbass über 4.200 ukrainische Soldaten getötet. Dazu kommen einige hundert zivile Opfer und mehr als 8.000 Verletzte. Bereits im Spätherbst bestätigte die Werchowna Rada, nach der Vorlage einer Opferstatistik durch die Opposition, den Verlust von über 25.000 ukrainischen Soldaten. Diese baute auf eine Liste vom August 2014 auf. Damit sind wir mittlerweile bereits bei offiziell bestätigten 30.000 toten, ukrainischen Soldaten.

Aber diese Zahlen stimmen nicht, denn z.B. am Flughafen in Donezk werden weiterhin unter den Trümmern Leichen geborgen. Ebenso fanden sich jetzt Freiwillige aus der Ukraine, die zusammen mit den Soldaten der Volkswehr nach weiteren Opfern in der Region um Debalzewo  suchen, da sich herausstellte, dass während der Kämpfe im Kessel die toten Soldaten einfach nur vergraben wurden. Jetzt suchen die Familien nach ihren Männern. Es gibt zurzeit offiziell weit über 3.000 Vermisstenanzeigen. Und es gibt tausende namenlose Gräber im Donbass.

Das sind lediglich die Zahlen der ukrainischen Seite, die man nachweisen kann. Wir können davon ausgehen, dass es weitaus mehr Opfer unter den ukrainischen Soldaten gibt, als diese 30.000. Dazu kommen tausende Zivilisten. Offiziell spricht man von 9.000, aber bereits nach dem Abzug der Truppen aus Slawjansk im Sommer 2014 hat die damalige Stadtverwaltung von fast 10.000 toten Zivilisten in der Region um Slawjansk gesprochen. Leider werden diese Zahlen nicht bestätigt und das gesamte Ausmaß werden wir wohl erst in einigen Jahren erfahren. Aber derzeit kann man wohl von ca. 70.000 Toten ausgehen, die der Krieg im Donbass bis jetzt gekostet hat. Dazu kommt fast die doppelte Anzahl an Verletzten.

 

Menschen verbrachten ihr Leben wochenlang im Keller

Aber das ist nicht alles, denn der ehemals größte Industriestandort der Ukraine wurde zum größten Teil ausgelöscht. Über 600 Fabriken und 13 Bergwerke mussten bereits schließen. Die Infrastruktur, vor allem Brücken und wichtige Eisenbahnstrecken, soziale Einrichtungen, Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen, ganze Dörfer und tausende Wohnblöcke wurden monatelang bombardiert und zerstört. Städte wie Gorlowka und Debalzewo, welche rund um die Uhr einem Bombenhagel ausgesetzt waren, sind zu 80% beschädigt. 

Menschen verbrachten dort ihr Leben wochenlang im Keller. Oder versuchten auf dem Boden im Flur ihrer Wohnung Schutz zu finden, in der Hoffnung, dass die Granatsplitter, die eventuell durch die Fenster in die Wohnung gelangen könnten, an der zweiten, schützenden Wand Halt machen.

Kinder steckte man mit Decken und Spielsachen in die Badewanne. Man hoffte, dass sie so genügend Schutz vor herum fliegenden Splitter haben werden, falls dann doch ein Bombe in der Nähe des Hauses einschlägt. In Gorlowka wurde leider genau das drei Geschwistern zum Verhängnis. Die Bombe schlug ins Dach des Hauses ein und damit brach die Decke über den Kindern zusammen. Alle drei Kinder wurden unter den Trümmern in der Badewanne begraben, ihre Eltern überlebten.

 

Mittlerweile herrscht eine geführte Anarchie in der Ukraine

Die Zufahrtsstraßen zum Donbass  und damit die Lieferwege sind fast alle gesperrt. Sechs Zufahrtswege sind noch offen. Kontrolliert werden sie aber von der ukrainischen Seite und ein Passieren ist nur mittels vorher gestellten Antrags möglich. Wer den Jungs der Nationalgarde nicht passt, wird zurückgeschickt.

Ein neues Gesetzt macht es auch möglich, dass die „Verteidiger“ der Ukraine von der Schusswaffe Gebrauch machen, falls „Gefahr“ in Verzug ist. Wer das im Nachhinein überprüfen soll, ob da wirklich Gefahr in Verzug war, fragt niemand. Mittlerweile herrscht eine geführte Anarchie in der Ukraine. Die Nationalgarde untersteht zu großen Teilen längst nicht mehr dem Verteidigungsministerium und führt den Krieg, trotz Vereinbarung in Minsk, unbeirrt fort. Es gründete sich eine ganze Kette von neuen Firmen, die so schnell, wie sie entstanden sind, auch wieder verschwinden. Gelder der ATO gehen zu 40% an solche Schein- und Schieberfirmen. Selbst der Berater des Verteidigungsministeriums bemängelte diesen neuen Zweig der Geschäftswelt, welcher nur von der ATO lebt.

 

Knapp 4 Millionen Menschen mussten den Donbass verlassen

Wie es jedoch den 4 Millionen verbliebenen Menschen im Donbass ergeht, ist für die Ukraine offensichtlich kein Thema mehr. Poroschenko erklärte ja erst kürzlich, wie er diesen Krieg gewinnen wird. Er wird dafür sorgen, dass die Kinder dort in den Kellern leben müssen, die Rentner kein Geld bekommen und die Angestellten kein Gehalt. So gewinnt man also im Jahr 2015 einen Krieg – den man übrigens nie als Krieg bezeichnet hat und der bis heute offiziell weiterhin als Anti-Terror-Operation geführt wird.

Aber an der Kriegsbezeichnung durch Poroschenko störte sich offenbar niemand. Es stört sich auch keiner daran, dass bereits knapp 4 Millionen den Donbass verlassen mussten. Ungefähr eine Million sind davon in den anderen Teil der Ukraine, außerhalb von Donbass, gegangen. Die anderen 3 Millionen sind zum „Aggressor“ geflüchtet. Ja, natürlich… wir wissen doch: „Putin ist Schuld!»  Ganz sicher auch daran, dass die Menschen in sein Land flüchten und das, obwohl die Welt uns doch erklären will, dass diese Menschen doch genau von diesem Land angegriffen wurden. Und es wird mit keiner Silbe erwähnt, dass dieser Aggressor auch der Einzige ist, der den Menschen im Donbass humanitäre Hilfe leistet.

Mittlerweile hat Russland den 17. Hilfskonvoi in den Donbass geschickt, während Amerika die Sanktionen gegen Russland erstmal auf ein weiteres Jahr verlängern will und auch die EU ohne Zögern an den Sanktionen festhalten möchte.

 

Die westliche Welt ignoriert die Opfer des durch sie mit finanzierten Genozids

Stellt man sich doch die Frage, worin der Sinn liegt, dass ein Land sich selber zerstört, seine Menschen umbringt und direkt in den wirtschaftlichen Abgrund rast und das auch noch freiwillig? Es hat den Anschein, dass die Ukraine ein Land geworden ist, welches von irren Fanatikern geführt wird. Aber wenn dem so wäre, könnte doch der Rest der Welt laut STOP rufen und diesen Wahnsinn stoppen. Aber genau das Gegenteil geschieht. Die westliche Welt unterstützt diesen Wahnsinn auch noch. Sie finanziert ihn geradezu und ignoriert die Opfer des durch sie mit finanzierten Genozids in der Ukraine.

Die Vertreter der Menschheit sind mittlerweile zu ihren größten Feinden geworden und diese Menschen wollen die Welt glauben lassen, dass die Gefahr in Russland sitzt? Welche Gefahr geht von Russland aus? Es war nicht Russland, die ihren militärischen Aktionsradius erweiterte, sondern es waren die NATO Länder, die das unaufhörlich machten und damit alle roten Linien auf einmal überschritten haben.

Denn bereits im Jahr 2009 gab es im Zuge der Nato-Osterweiterung eine — im Nachhinein — sehr interessante, gedankliche Offenbarung der militärischen Think-Thanks Europas. Bereits damals wusste man, dass ein NATO Beitritt der Ukraine als ganzes Land unmöglich sein wird und diese Thematik unweigerlich zur Spaltung des Landes führen wird. (dafür gibt es auch noch ausreichend andere Gründe!) Aber man konstruierte damals daher den „De Facto-Staat Ostukraine“. Wenn man sich das im Jahr 2015 vor Augen führt, wird einem – in Anbetracht von 70.000 Opfern — wirklich mehr als schlecht. Alles hätte man verhindern können, denn man wusste von Anfang an, dass dieses An-der-Ukraine-Zerren unweigerlich zum Zerreisen der Ukraine führen wird. Aber man wählte den blutigen Weg, immerhin lässt sich am Frieden nicht so gut verdienen.

 

Der Ausgang dieses Krieges in der Ukraine entscheidet über unsere Zukunft

Es werden tausende Menschen geopfert und gleichzeitig bringt man die Welt an den Rand des 3.Weltkrieges. Das ist kein geostrategisches Schachspiel mehr, sondern geostrategisches, russisches Roulette und der Revolver ist direkt auf die Menschheit gerichtet!

Und die ganze Welt schaut nicht mal weg, sondern auch noch zu.

Ok, das hat sie in den letzten Jahren sehr oft getan. Erinnern wir uns einfach an die Kriege im Gaza, Syrien, Irak, Afghanistan etc. Welchen Krieg haben die Menschen verhindert und welcher Krieg hat irgendwas verbessert?

Aber dieser Krieg in der Ukraine unterscheidet sich dennoch. Denn er findet genau vor der Tür Russlands statt und damit entscheidet der Ausgang dieses Krieges unweigerlich über unsere Zukunft. Denn wenn Russland so geschwächt wird, dass er als zukünftiger Wirtschaftspartner für Deutschland bzw. die EU ausfällt, bedeutet das für uns totale Abhängigkeit von den USA. Das lässt TTIP in einem ganz neuen Licht erstrahlen und es fügen sich Begriffe wie Kolonialstaat vor dem geistigen Auge zusammen. 

Wollen wir das wirklich unseren Kindern antun? Mehr als hoffen, dass schon alles irgendwie gut geht, schaffen wir nicht? Aber wieso schaffen es dann die anderen?

Denn die Menschen im Donbass kämpfen auch für unsere Zukunft. Während wir auf dem warmen Sofa sitzen und uns gemütlich einen Film anschauen, um uns nach einem schweren Tag abzulenken. Und überhaupt können wir das ganze Elend nicht mehr ertragen.

Wir sind leise und hoffen, dass sich das schon alles irgendwie klären wird. Und so lange der Krieg nicht neben uns auf dem Sofa landet, ist und bleibt unsere Welt in Ordnung.

 

Amerika braucht einen Krieg, den wir führen werden

Eine andere Variante wäre natürlich noch, dass die Provokationen  so weit gesteigert werden, dass ein Handeln Russlands unvermeidbar sein wird. Das würde die Tür zum 3. Weltkrieg direkt öffnen und ich kann mir vorstellen, dass die Hoffnung Amerikas darin liegt, dass er in Europa und Asien stattfindet. Denn Amerika braucht einen Krieg. Aber Amerika will und wird diesen Krieg nicht führen, sondern das werden wir machen.

Genauso wie man die Menschen in der Ukraine geopfert hat, wird man uns und unsere Kinder opfern. Und wenn wir nicht langsam das warme Sofa  verlassen, können wir die Tage zählen, die wir noch darauf in Ruhe und Harmonie verbringen können.

 

Maidan! Das ist dein Erfolg 

Der Maidan wurde im Westen als Revolution für die Freiheit verkauft. Von vielen unterstützt, Kritik wurde nicht zugelassen. Jetzt ist es Zeit die erste Zwischenrechnung zu machen.

Maidan. Das ist Dein Erfolg: 

Du hast die Ukraine zerstört!
Du hast über 70.000 Menschen getötet!
Du lässt unzählige kranke Menschen zurück!
Du hast die Krim verloren!
Du hast den Donbass zerstört und verloren!
Du hast den Faschismus von den Ketten befreit!
Du hast die Armen noch ärmer gemacht und die Reichen noch reicher!
Du warst die Tür zum Untergang der Ukraine.

Du hast die Menschen der Ukraine zu Lemmingen gemacht.

Du hast den Revolver erschaffen, den man der Menschheit jetzt ins Gesicht hält.

Hoffen wir, dass sie aufwacht, bevor einer abdrückt.

 

***

Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.