DER WESTEN SPIELT MÜHLE. PUTIN SPIELT SCHACH

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REMEMBERS Gastbeitrag von Evelin Piéza

Putin: Effizient statt spektakulär

Im Jahr 1971 schloss der US-Präsident Richard Nixon das «Goldfenster», das den freien Austausch von Dollar gegen Gold garantierte. Im Jahr 2014 eröffnete der russische Präsident Wladimir Putin ein ganz eigenes «Goldfenster». Warum? Weil er es kann.

Das letzte Mal hat es unter Reagan funktioniert, durch die Verringerung des Ölpreises, den Zusammenbruch der Sowjetunion zu forcieren. Aber die Geschichte wiederholt sich nicht. Denn Gorbatschow ist nicht Putin. Und Putin — nicht Gorbatschow. Der Unterschied? Ganz einfach: Putin versteht Schach und Judo. Das heißt: Wenn der Gegner viel Kraft aufwenden muss, um ihn anzugreifen, benutzt er sehr wenig Kraft zur Verteidigung.

Putins Politik ist nicht auf das «Spektakuläre» ausgerichtet, sondern auf «Effizienz».

Es gibt nur sehr wenige Menschen, die verstehen, was Putin derzeit wirklich tut.

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Für viele mag es seltsam erscheinen, aber Putin verkauft das Öl und Gas Russlands derzeit eigentlich nur für physisches Geld. Er kümmert sich nicht um den Hype um die niedrigen Preise, und es ist nicht sein Stil, sein «Entsetzen» diesbezüglich über die ganze Welt verteilt, laut zu verkünden. Er handelt stattdessen.

Putin wird natürlich auch weiterhin den Dollar als «Zwischenzahlungsmittel» — gerade in der jetzigen Zeit — akzeptieren. Aber er ist schlau genug und hat sofort seine Erlöse aus dem Verkauf von Öl und Gas geändert, in lediglich physisches Geld. Denn mit dem Geld macht er etwas wirklich Schlaues.

 

Europa: Mitten in der «Goldfalle»

Um das o.a. zu verstehen, muss man nur eine Darstellung der Dynamik des Wachstums des Goldes in der Russischen Föderation suchen und diese dann mit den Daten der russischen Deviseneinnahmen aus Öl und Gas für den gleichen Zeitraum vergleichen. Sehr interessant…

Darüber hinaus wurde das dritte Quartal in Bezug auf den Kauf von physischem Gold in Russland zu einem Allzeithoch. Im dritten Quartal dieses Jahres hat Russland die unglaubliche Menge von 55 Tonnen Gold gekauft. Das ist mehr als alle anderen (nach offiziellen Angaben) Zentralbanken auf der ganzen Welt zusammen. Denn alle Zentralbanken, inklusive der russischen Zentralbank, kauften 93 Tonnen. Davon gingen 55 Tonnen nur an Russland.

Nimmt man jetzt folgende Aussage von britischen Wissenschaftlern (in einer Stellungnahme der USGS veröffentlicht) «Europa kann nicht ohne Energielieferungen aus Russland überleben», versteht man sehr schnell. Denn das bedeutet, die Petrodollar-Hegemonie der westlichen Welt ist in einer katastrophalen Situation. Ohne Öl und Gas aus Russland kann der Westen nicht überleben. Aber jetzt ist Russland nur noch bereit, Öl- und Gas für den Westen, im Austausch für «physisches» Gold, zu verkaufen.

Natürlich nicht offiziell, aber das Pikante an dieser Situation ist, dass der Mechanismus, der den Verkauf von russischen Energieressourcen in den Westen gegen Gold regelt, jetzt unabhängig davon ist, ob der Westen für die russischen Öl- und Gaslieferungen mit Gold bezahlt oder eben nicht. Da Russland, mit den ihr zur Verfügung stehenden laufenden Erträgen aus dem Verkauf von Öl und Gas, in jedem Fall in der Lage ist, Gold zu kaufen. Besonders einfach ist das, bei den aktuellen Goldpreisen, die auf Biegen und Brechen vom Westen gedrückt wurden.

Und der Westen verbringt viel Zeit damit, seine Bemühungen und Ressourcen auf das zu lenken, was den Preis von Gold und Öl weiterhin unterdrückt, um damit auf der einen Seite, die bestehende wirtschaftliche Realität zugunsten des US-Dollars zu verzerren, und auf der anderen Seite, die russische Wirtschaft zu zerstören.

Und genau deshalb sind gerade jetzt die Vermögenswerte wie Gold und Öl proportional gegenüber dem Dollar enorm geschwächt und übermäßig unterbewertet. Diese Unterbewertung ist die logische Konsequenz der enormen wirtschaftlichen Anstrengungen seitens des Westens.

Somit verkauft Putin also die russischen Energieressourcen «günstig» im Austausch gegen US-Dollar, für die er dann ebenso «günstig» Gold erwerben kann, weil ja der Westen dafür gesorgt hat, dass der Goldpreis ganz unten ist. An Putins stelle würde ich da «Danke» sagen.

Es gibt einen weiteren interessanten Punkt: Das russische Uran, über deren Verkauf überhaupt noch nicht sehr viel öffentlich diskutiert wurde, was aber nicht unwichtig ist. Denn Russland verkauft weiterhin Uran zu «guten» Preisen und bekommt dafür US-Dollar.

 

Also fassen wir zusammen:

Im Austausch für russisches Öl, Gas und Uran bezahlt der Westen Russland mit Dollar. Für Öl und Gas bekommt Russland derzeit sehr wenig, aber Putin nutzt den US-Dollar nur, um ihn dann für den Kauf von physischem Gold des Westens einzusetzen. Zu ebenfalls sehr günstigen Konditionen. Dank der Bemühungen des Westens.

Das nenne ich mal eine wirkliche «Goldfalle».

 

China: Der zweite Schachspieler

China hat kürzlich bekannt gegeben, dass es die Erhöhung ihrer Devisenreserven in US-Dollar beenden wird. Unter Berücksichtigung des wachsenden Handelsdefizits zwischen den USA und China, welches aktuell einen fünffachen Unterschied zugunsten von China ausmacht, bedeutet diese Aussage aus der Finanzsprache übersetzt: «China stoppt den Verkauf von Handelswaren für US-Dollar.»

Die Medien weltweit haben gemeinsam den Weg gewählt, diese überaus wichtige Tatsache nicht weiter zu beachten. Die Frage dabei ist nicht, ob China sich buchstäblich weigert, ihre Waren für die US-Dollar zu verkaufen. China wird natürlich auch weiterhin US-Dollar als Zwischenzahlungsmittel für ihre Waren akzeptieren.

Aber, und das ist das Wichtige: China wird dann ganz still und leise diese US-Dollar durch Gold ersetzen bzw. damit haben sie bereits begonnen.

 

Schach? Matt.

Und wenn dem Westen da nicht bald eine gute Antwort auf folgende Fragen einfällt…

— Wie lange wird der Westen in der Lage sein, Öl und Gas aus Russland, im Austausch für physisches Gold, zu kaufen?

— Was wird mit dem Petrodollar der USA geschehen, nachdem der Westen mittels physisches Gold für russisches Öl, Gas und Uran und für chinesische Waren bezahlt?

… dann könnte man schon jetzt «Schach. Matt»

 

P.S: o.a. ist eine Zusammenfassung des folgenden Artikels (sehr interessant und umfangreich, auch im Bezug auf China): http://investcafe.ru/blogs/mbcy/posts/46245#

Pic-Quelle: schach.chess.com 

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Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.