FÜNF TAGE IN DONBASS: EIN AUGENZEUGENBERICHT

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Ein Augenzeugenbericht von den freiwilligen humanitären Helfern „Slawjanotschka“ aus Charkow

März/April 2015:

Es tut so weh zu sehen, was dem Land Donbass angetan wurde. In den 5 Tagen, die wir in den zerstörten Orten von Donbass verbracht haben, konnten wir den Schmerz dieser Zerstörung, die Leere der verbrannten Felder, zerstörte Leben und die von Gott und der Welt verlassenen Kinder und Ältere persönlich kennenlernen.

Makeewka, Donezk, Charzusk, Jassinowataja, Illowajsk, Amwrosjewka, Enajkewo, Uglegorsk. Einige dieser Orte sind wir nur durchgefahren, aber die meisten haben wir wirklich besucht. Nicht als Touristen, sondern als Helfer…

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Kirowskoje. Eine Beratungsstelle für psychologisch-neurologische Krankheiten mit 400 Patienten. Wir haben ihnen Graupen, Konserven, Putzmitteln und Kleinigkeiten für Frauen mitgebracht. Sie haben uns glücklich, aber sinnesleer angelächelt. Sie haben versucht, bei der Entladung der humanitären Hilfe zu helfen. Einige Frauen haben sich etwas geschämt, als sie den Schmuck anprobierten. Es gibt unter ihnen auch die unruhigen sozusagen, die auf ein Mal mit einem Löffel ein Fenster oder eine Tür aufmachen könnten. Sie brauchen dringend psychotropische Mittel. Unbedingt. Die Leiterin der Klinik versucht, die Situation soweit unter Kontrolle zu halten, wie es nur geht. Aber auch sie ist am Ende ihrer Kräfte. Sie bittet nur um Medikamente und Lebensmittel für ihre Patienten.

Uglegorsk. Mit einer Bevölkerungszahl von 10.000 hat die Stadt mindestens 1.000 ihrer Einwohner verloren. Man könnte schreiben und stundenlang darüber sprechen, was passiert ist, aber man kann den Schreck der Realität mit keinen Worten wiedergeben. 

Es ist ruhig in der Stadt. Die Ruhe wird nur von Vögel und Hunden gestört. Man sieht keine Menschen, aber sie sind da. Um die 6.000 sind zurückgekehrt. Die Stadt wächst. Die Bewohner haben selbst Kabel verlegt, um das Licht wieder anzuschließen. Ein alter Hund namens Rex traf uns auf der zerstörten Hauptstraße von Uglegorsk. Seine Herrchen haben ihn und das Haus bei ihrer Flucht verlassen müssen. Aber er… bewachte das Haus bis zum letzten Schuss.

Auf der Seitenstraße von Jenakiewo steht eine Ambulanz. Sie steht dort Tag und Nacht. Bis zur Dämmerung. Dann fährt sie weg. Es ist gefährlich. Ale die Ärzte der Ambulanz einen Schwerkranken schnell möglichst behandelt haben, hat ein hineingeratenes Geschoss sie ausgebrannt…

Ruslan hatte die Wege repariert und brachte, woher auch immer, Holzfiguren. Aber er konnte das Ergebnis seines Werkes nicht mehr sehen. Er wurde getötet und in der Nähe seiner geliebten Allee begraben.

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In Uglegorsk ist mir ein bisschen kalt. Hundekalt. Und das trotz des warmen, sogar heißen Tages. Denn mein Körper ist mit Gänsehaut bedeckt. Die örtlichen Freiwilligen erzählen so gewöhnlich und unberührt über die Aufräumarbeiten der Hauptstraße… Als sie mit Schippen … Menschengehirn wegbrachten.

Ich wollte zum Spielplatz gehen, aber die Menschen haben mich davon abgehalten. Dort befinden sich noch nicht explodierte Minen. Und das, obwohl Familien mit ihren Kindern in die Stadt zurückgekehrt sind. Sie explodieren — mal hier, mal da. Die örtlichen Freiwilligen sagen, vermutlich sei ein Hase oder ein Wildschwein auf eine Mine geraten.   

Ein älterer Mann von 87 Jahren fragte mich beim Abschied, mit Tränen in den Augen: „Und, Mädchen, ist der Krieg jetzt zu Ende?“

Ich wollte ihm die Wahrheit nicht sagen, deswegen habe ich mit „Ja“ geantwortet. Verzeih mir, Opa.

Leute!

Helft Uglegorsk.

Helft Debalzewo.

Helft Donbass zu überleben.

 

Tausende Kinder und Ältere warten darauf.

 

Unsere Reise durch Donbass war ereignisreich, ermüdend und so ehrlich. Wir sind Stolz für den mutigen Donbass und seine Menschen, die trotz all dem an einen friedlichen Himmel glauben.

Wir waren dort. Und wir werden wiederkommen.

Kleidung und Schuhe, vor allem für Kinder, werden so dringend gebraucht wie nie. Gemüse. Kindernahrung. Konserven. Graupen. Fette. Zucker. Medikamente!!! Gasofen. Waschmaschinen. Rollstühle. Kinderwägen.   

Danke euch.

 

In Liebe

Gruppe der Freiwilligen „Slawjanotschka“

Charkow-Donbass

Beitrag @REMEMBERS & Marina F.

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P.S.: Ihr wollt uns auch helfen, das Überleben von Kindern, ihren Familien sowie von kranken und alten Menschen in Donbass zu sichern, habt jedoch unsere Winterspendenaktion verpasst? Kein Problem. Auch nach dieser Hilfstour machen wir natürlich weiter und sammeln deshalb wieder Spendengelder für unsere Frühlingsspendenaktion. Für Donbass. Gegen Genozid.

Einfach hier auf “Spenden” klicken, den gewünschten Geldbeitrag eingeben, Formular ausfüllen und absenden. Alle Informationen zum aktuellen Spenden-Stand unserer Frühjahrsaktion findet ihr demnächst auf unserer REMEMBERS Seite.

 

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Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.