HASS GEBIERT HASS

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REMEMBERS Herz- & Schmerzgeschichte aus Donbass

von Irina Laschkevich — einer Journalistin aus Odessa, die sich seit Wochen freiwillig im Kriegsgebiet Donbass befindet.

 

«Der Hass läuft gerade in der Ukraine über. Die Menschen sind bereit sich gegenseitig zu töten. Die Zombierung trägt Früchte…

Gestern hat mich ein Bekannter angerufen. Er hat mich angeschrien und beschimpft. Er habe Tüten mit verbrannten ukrainischen Soldaten transportiert. Und ich… habe Kinder in Donezk fotografiert, die von einem Geschoss zerfetzt wurden. Und die Alten ohne Köpfe, die unter den Beschuss der ukrainischen Armee kamen, als sie Tauben gefüttert hatten. Ich habe gesehen, wie Häuser brannten, in denen noch Menschen waren, weil sie es nicht geschafft haben, sich in ihren Kellern zu verstecken. Ich habe hunderte von Menschen gesehen, die ohne ein Dach über dem Kopf geblieben sind. Ich lebe mit diesen Menschen zusammen, ich erlebe jeden Artilleriebeschuss mit ihnen gemeinsam und leide jedes Mal mit.

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Auch mein Haus zittert ständig, und auch ich schlafe nachts nicht. Ich kenne das Geräusch eines angekommenen Geschosses… Also musste heute wieder jemand sterben. Das ist das Geräusch des Todes. So stumpf. Schlag auf die Erde und Explosion.

Man kann hysterisch beweisen wollen, dass die ukrainische Armee nicht schießt in diesem Krieg. Man kann der festen Überzeugung sein, dass die ukrainische Armee in Donbass keine Zivilisten tötet, sondern nur ihre eigenen Soldaten beerdigt. Man kann sich selbst belügen… Aber die Lügen werden den Krieg nicht aufhalten können, sondern alles nur noch schlimmer machen. Hass gebiert Hass. Gewalt gebiert Gewalt. Wie sollen wir mit dieser Sch*** weiterleben? Im Moment sehe ich keinen Ausweg. Den gibt es nicht. Irgendjemandem ist es sehr gut gelungen, diesen Ausgang zu betonieren. Damit wir uns alle gegenseitig auffressen.»

 

***

Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.