REMEMBERS JAHRESRÜCKBLICK

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Die Kinder von Donbass 2014

In diesem Jahr hat man oft so ein Gefühl, als ob die Zeit stehen geblieben ist und nur ungerne weiter läuft. Die Tage, Wochen und Monate scheinen unendlich zu sein, und das Ende des Jahres liegt in unabsehbarer Ferne.

Anfang des Jahres, als der Krieg in der Ukraine schon voll im Gange war und seine blutige Ernte in Donbass gesammelt hat, trat die Vorsitzende des Donezker Gebietskörpers des Hohen Frauenrates der Ukraine „Für die Zukunft unserer Kinder“, Frau Antonina Chromova, vor den Ratsfrauen in Kiew auf: 

„Slawjansk ist schon ist wie die Brester Festung. Die ukrainischen Sender zeigen es euch nur nicht. Die Kinder, die deren Eltern selbstständig aus der Stadt nicht evakuieren konnten, wurden von unserer Frauenorganisation unter der Leitung von Frau Sabina Zhiwotowskaja evakuiert. Wir haben Kinderheime, kinderreiche und arme Familien transportiert, mit den Notarztwagen unter der Rotkreuzfahne. Und diese Bastarde haben auf uns aus Panzerfäusten geschossen! Das war schrecklich. …35 Kinder haben wir nach Berdjansk gebracht, davor haben wir die Kinder unter den Beschossen des «Rechten Sektors» nach Krim evakuiert. Unsere Frauen haben die Kinder wie lebendige Schutzschilder verdeckt. Aber egal, wie groß die Herzen unserer Mütter sind, sind sie einfach nicht imstande, alle Jungs und Mädchen vor der ukrainischen Armee zu schützen.»

Das kleine Mädchen, das einer Puppe ähnelt, sitzt auf dem Fensterbrett und guckt auf die Welt da draußen. Sie ist so klein, dass sogar die kleine Schleife an zu groß aussieht. Das Mädchen wird nie erfahren, wie die Welt in einem Jahr sein wird. Es wird nie mit einem Fahrrad in dem Park eine Runde drehen. Es wird nie eingeschult werden, sie wird nie… Das Leben der 8 Monate alten Kira wurde im Sommer 2014 abgebrochen. Das Bild, das der ganzen Welt unter dem Namen „Gorlowker Madonna“ bekannt wurde, wo sie und ihre Mutter blutübergossen in einem Gorlowker Park tot liegen, ist zu einer Anklage des modernen ukrainischen Faschismus geworden. Kleine Kira und ihre Mutter Kristina wurden am 27. Juli bei einem der ersten Artilleriebeschüsse der Stadt von der ukrainischen Armee getötet. Natalja, die Mutter von Kristina, hat die beiden danach im Leichenschauhaus gefunden. Und genau so, unter den Artilleriebeschüssen, die ununterbrochen weiter gingen, wurden die beiden auch begraben. Natalja hat die Nacht am Grab verbracht und am nächsten Tag fuhr sie nach Kiew. Sie wollte den Präsidenten fragen, wieso ihre Mädchen umgebracht wurden. Die Wache hat sie nicht mal in das Gebäude der Präsidialverwaltung gelassen.

Am letzten Sonntag in dem August feiert man in der Ukraine den «Tag der Bergarbeiter». An diesem Tag ist der 13jährige Kirill Sidorükim, im Dorf namens Butkewitsch, in der Nähe von Lugansk, gestorben. An diesem Tag wurde Brot am Marktplatz kostenlos verteilt. Man konnte zwei Brotleibe pro Person bekommen. Er, seine Mutter und die 9jährige Schwester waren schon auf dem Heimweg, als die ersten Schüsse kamen. Die Mutter wurde ohnmächtig und, als sie zu sich kam, war der Junge schon tot. Unter seiner Leiche lag die unverletzte Schwester Tanja. Er hat sich geopfert, damit sie weiter leben konnte. In einem späteren Interview für „Komsomolska Pravda/Ukraine“ hat Frau Oksana Burlakowa erzählt: 

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„Die Mitarbeiter des Leichenschauhauses haben mir gesagt, ich muss meinen Sohn schon am nächsten Tag abholen: Es gibt keinen Strom und die Leiche hält sich nicht lange. Ich habe die Leute gebeten, mir zu helfen, einen Sarg zu bauen, aber dann hat man angefangen wieder zu schießen und alle waren weg. Es war auch unmöglich, einen Sarg zu kaufen, alles war ausverkauft und man musste etwa eine Woche auf einen warten. Ich habe auf dem Dachboden ein paar Holzbretter gefunden und gerade kurz vor dem Krieg habe ich gelbe Gardinen gekauft. Damit haben wir den Sarg ausgelegt…..“

Der Achtklässler aus Donezker Schule Nr. 63 Daniil Kusnezow, ein guter Junge, der gerne Fußball gespielt hat, wurde direkt auf dem Fußballplatz seiner Schule getötet. Mit ihm ist an diesem Tag auch der 18jährige Andrej Eliseew gestorben. 4 andere Jugendliche wurden verwundet. Kirill Safonow war auch dabei und wurde mehrfach verwundet. Von seinem Krankenbett wird er später erzählen, wie ohnmächtig er wurde und wie er zu sich selbst gesagt hat: „Ich bin noch zu jung, um zu sterben“. Der Junge spricht wie ein Erwachsener. Laut dem Bericht der OSZE-Beobachter kamen die Schüsse vom Städtchen Peski, das unter der Kontrolle der ukrainischen Armee steht. In Donezk wurde dann eine 2tägige Trauer ins Leben gerufen. Das hat aber die ukrainische Seite nicht darin gehindert, die Stadt weiter zu beschießen. 

Die Presse berichtet im Sommer 2014: 
“Die Bilder des Gewerkschaftshauses in Odessa. Im Fenster sieht man einen Jungen, der 10-12 Jahre alt ist. Er schaut nach unten, ohne zu verstehen, wieso die Erwachsenen das Haus anzünden. Die Zeugen haben berichtet, dass sie gesehen haben, wie eine ältere Frau mit zwei Kindern, um sich vor Randalen zu retten, ins Gewerkschaftshaus gegangen ist. Dieser Junge ist anscheinend eines davon. Man findet ihn aber nicht unter den Lebenden, aber seine Leiche wurde auch nicht gefunden.“

Die 6jährige Polina Solodkaja wurde am 7. Juni während des Beschusses in Slawjansk getötet. Noch ein schrecklicher Bericht: In einem Dorf in der Nähe von Donezk, das von dem ukrainischen Strafbataillon verlassen wurde, wurde eine buchstäblich zerfetzte 5köpfige Familie gefunden. Diese Hölle konnte nur ein kleines Mädchen überleben. Anscheinend hat die arme Kleine fast eine Woche an der Seite ihrer getöteten Familie verbracht. Auf ihrem Kopf war eine Schnittwunde und ihr fehlte ein Ohr. Es ist unklar, wie sie es geschafft hat, am Leben zu bleiben. Der Landwehrmann, der sie gefunden hat, wollte sie auf die Arme nehmen und ihr etwas Essen geben, aber sie ist sofort in den Schlaf gefallen. Wenn man die Berichte über die Verbrechen der Bandera-Armee aus den 40gen Jahren liest, stellt man fest, dass solche Bilder typisch für sie waren.

In der Stadt Mariupol haben zwei Jugendlichen mit den Fahrrädern eine Runden, in der Nähe von einem Blockpost (Checkpoint), gedreht. Als sie aufgefordert wurden, anzuhalten, haben die erschrockenen Jugendlichen versucht zu fliehen. Daraufhin wurde auf sie geschossen: Ein Junge war auf der Stelle tot, der zweite wurde schwer verletzt.

Slawjansk: In Folge einer Explosion stirbt der kleine Arsenij, in seinem Kopf findet man 30 Splitter. Die Ärzte haben noch versucht, das Leben von Arsenij zu retten… Kurz davor stirbt die Mutter von Arsenij. Sein Papa Ruslan gibt die Schuld dafür der ukrainischen Armee, die die Stadt von dem Berg Karatschun aus beschossen hat.

Der 9 Monate alte Egor Aleksandrow wird begraben. Er war ein lang erwartetes Einzelkind in der Familie. An seinem Sarg vier Männer Wache, die kaum ihre Tränen verbergen können. Im August wäre er ein Jahr alt geworden. Die Eltern haben extra für dieses Datum einen blauen Anzug gekauft. Jetzt wird er darin vergraben….

Dorf Kondraschowka, Lugansker Gebiet: Hier werden heute 2 Kinder begraben: Der 5jährige Wanja und sein Vater Wladimir. Die Beiden sind beim Luftangriff getötet wurden. Im Wanjas Sarg liegen ungeöffnete Geschenke. Er hat ein Tag zuvor seinen Geburtstag gefeiert und hat noch nicht alles ausgepackt.

Diese 2 Worte „Antiterroristische Operation“ sind durch und durch mit dem Blut der Kinder durchtränkt. Könnten ihr uns sagen: Wieso sind sie gestorben? 

Stoppen Sie die Strafoperation in Donbass! Retten Sie die Kinder!

Das Internet ist voll mit solchen Aufrufen, aber es ist noch nicht gelungen, in der Ukraine diese unsinnigen Morde zu stoppen. 

In den Abendstunden am 14. November haben die ukrainischen Militärkräfte begonnen, die Wohnviertel der Stadt Gorlowka von der Stadt Uglegorsk aus zu bombardieren. Mit dem Ergebnis: 6 tote Zivilisten, darunter wieder 2 Kinder: Ein 4jähriger Junge und ein 9jähriges Mädchen.

Am 15. November, am frühen Morgen, wurde von der Seite von Troitzkij auch Perwomajskij beschossen. Dabei wurde die Entbindungsstation getroffen und ein Neugeborener verletzt.

Gleichzeitig werden die Kinder in Kiew aufgerufen, die Bilder für die Soldaten und Helden der «antiterroristischen Operation» zu malen. Also müssen die Kinder in Kiew die Mörder der Donbass-Kinder moralisch unterstützen? So versteht man also heute „Ein Land — eine Einheit“?

Das Blut der Kinder von Donbass klebt nicht nur an den Händen der Soldaten, sondern auch an den Händen von allen Führern von Majdan: Turtschinow, Awakow, Timoschenko, Kolomojskij, Jarosch, Poroschenko, Klitschko, Tjagnibok, Parubij, Naliwajtschenko, Ljaschko, Jazenjuk. Aber auch Janukowitsch ist schuld. Er hat die Möglichkeit gehabt, den Krieg noch vor seinem Beginn, am Maidan, zu stoppen. Und jeder einzelne verlogene Journalist, der dabei hilft, die Wahrheit über die Situation in Donbass zu verbergen, trägt genau so die Schuld an dem Tod dieser Kinder. 

Doch die Schuld trifft auch uns. Denn unser Schweigen tötet jeden Tag!

Einen herzlichen Dank für die Übersetzung an @Inna Bullert

 
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Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.

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