REMEMBERS SPENDEN HOFFNUNG. AN ANNA TUF AUS GORLOWKA

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«…Bevor ich aufwache, denke ich, dass ich zu Hause bin und dass die Kinder spielen… Doch dann wache ich auf und merke, dass ich im Krankenzimmer bin. Mir fehlt ein Arm. Ich will immer die Finger bewegen, aber sie sind nicht mehr da. Ich weiß nicht, wie ich mit meinen Kleinen, ohne meinen Mann, ohne meinen Geliebten, ohne mein Töchterchen, weiterleben soll… Ich weiß es einfach nicht…» (ab 4:08 min)

Bereits seit Wochen liegt Anna in einem Krankenhaus in Donezk und kann bis heute nicht begreifen, wie und insbesondere WARUM man in nur wenigen Minuten ihr ganzes Leben zerstört hat:

«Wir wollten doch alle nur leben, glücklich leben… Warum haben sie mein Leben zerstört, in nur 5 Minuten?! Warum haben sie das Leben meiner Liebsten genommen? Das Leben meines geliebten Mannes, meines Mädchens. Sie war 11 Jahre alt! Ich habe sie erzogen, ich trug sie unter meinem Herzen. Sie war so talentiert. Warum haben sie sie mir weggenommen??!! Ich weiß nicht, warum sie mein Kind einfach in Teile zerfetzt haben, einfach zerfetzt… Und mein Leben zerstört haben. Alles, was wir uns aufgebaut haben, haben sie einfach zerstört. Mich zum Invaliden gemacht haben. Was hab ich denn getan? Wir lebten glücklich, haben unsere Kinder erzogen, haben nie gedacht, dass so etwas mit uns geschehen wird…»

Auf dem Fensterbrett vor ihrem Krankenbett stehen 2 große Fotos, eingerahmt, von ihrer geliebten Tochter Katja, die voller Sehnsucht nach Leben tagtäglich ihre Mama anschaut. Das Bild ihres Mannes trägt Anna jedoch im Herzen, da ihr von ihm — außer die Erinnerungen an die glücklichste Zeit ihres Lebens — nichts mehr geblieben ist.

DAS FAMILIENMASSAKER VON GORLOWKA: 2 GESCHOSSE ZERFETZEN EHEMANN UND TOCHTER VOR ANNA’S AUGEN

Am 26. Mai 2015 verlor die Familie Tuf aus Gorlowka in Folge eines erneuten, massiven Artilleriebeschusses ihres Wohnortes, in der Nähe des Donezker Flughafens, alles, was eine glückliche Großfamilie ausmacht: Ihre 11jährige Tochter Katja, den Vater Jurij, das Einfamilienhaus und damit ihre größte Hoffnung — trotz des Krieges — auf eine weitere gemeinsame Zukunft. Voller Glück und Geborgenheit, Tag für Tag begleitet von Kinderlachen und endloser Liebe.

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Sowohl ihr Mann als auch ihre Tochter starben direkt vor Annas Augen, als das Haus der 5köpfigen Familie von insgesamt 2 Artilleriegeschossen der ukrainischen Truppen direkt getroffen wurde. Die 31jährige Anna musste zusehen, wie ihre Liebsten in Stücke zerfetzt wurden. Denn die Wucht der Geschossexplosionen war so stark, dass selbst von ihrem Haus nur ein Trümmerhaufen, unter dem ihr Ehemann und ihr Töchterchen am 26. Mai lebendig begraben wurden, geblieben ist.

Und dennoch musste Anna einen großen Schutzengel an ihrer Seite gehabt haben. Obwohl sie sich zum Zeitpunkt des Grauens nur 1 Meter von ihren getöteten Familienmitgliedern befand, hatte sie das große Glück, überlebt und dabei «nur» einen Arm verloren zu haben. Dieses Glück im Unglück hatten auch ihre 2 weiteren Kinder: Der 2jährige Zahar, der durch die Splitterverletzungen beinahe sein Augenlicht für immer verloren hätte, sowie die 2 Wochen junge Milana, die wie durch ein Wunder fast unbeschadet davon gekommen ist.

2 Tage nach dem Massaker, am 28. Mai, war die Beerdigung von Papa Jura und dem kleinen Engel Katja. Die Mutter des getöteten Mannes und somit die Oma der ermordeten Katja bricht am Grabe ihres Sohnes zusammen und verspürt einen unendlichen Schmerz, der sich anfühlt, als würde man ihr ganzes Inneres mit bloßen Händen herausnehmen: Den Schmerz eines unwiderruflichen Verlustes. Den Schmerz einer Mutter, die ihr eigens Kind zu Grabe tragen muss.

«Wo gehst du hin, Söhnchen? Wo gehst du denn hin? Warum hast du deine Kinder verlassen? Söhnchen! Sie haben dich getötet! Sie haben dich getötet, Söhnchen! Mein Junge… Mein Geliebter… Mein Guter… Mein Lieber… Mein Söhnchen. Hörst du mich?..»

Aber auch die Einwohner von Gorlowka, die ihre Heimatstadt bis heute nicht verlassen haben und die täglichen Beschüsse seitens der Ukra-Truppen überlebt haben, kamen alle zusammen, um sich von Jura und Katja für immer zu verabschieden. Die meiste Zeit lag ein tiefes Schweigen in der Luft, da jedes Wort in dieser so unbegreiflich schweren Situation womöglich ein Wort zu viel wäre.

ANNA AUF DEM WEG INS NEUE LEBEN: OHNE ALLES. MIT 2 KINDERN AUF 1 ARM.

«Sie haben mir meinen Arm herausgerissen. Sie haben mir mein Herz herausgerissen. Es ist natürlich sehr schwierig, das alles moralisch zu überstehen. Zum Glück ist mir noch eine kleine Freude geblieben. Die Kinder. Es gibt also etwas, wofür man weiter leben soll. Mit ihnen wird es nicht langweilig. Und das gibt mir Kraft. Zum Glück ist mit seinen (Zahar) Augen einigermaßen wieder alles gut.

Mit der Hand wird es mindestens noch ein halbes Jahr dauern. Aber Hauptsache ich bin noch am Leben. Und dass diese Kinder auch überlebt haben. Alles andere… Ich denke, der Gott wird mir schon den richtigen Weg zeigen, weil er mein Leben beschützt hat. Schade um Katja natürlich. Als der Fotograf diese Fotos gemacht hat, meinte er «Ich habe schon sehr viele Kinder in vielen Schulen fotografiert, aber noch nie habe ich so ein schönes Mädchen gesehen». Schade um Jura… Er hat nie jemandem etwas Böses getan. Ich sehe die Beiden jeden Tag total verkohlt vor meinen Augen, verstümmelt…»

Obwohl Anna seit ihrem 16. Lebensjahr selbst in einem Krankenhaus gearbeitet hat und bis zum Tage des Massakers Ärztin in Gorlowka war, hatte sie immer ein tiefes Mitgefühl für Patienten, denen ein Körperteil amputiert wurde. Es ist das Schlimmste, was einem passieren kann, dachte sie sich immer. Und eines Tages musste sie «das Schlimmste» am eigenen Leibe erfahren. Jetzt ist nicht nur ihr glückliches Familienleben zerstört, sondern auch ihr Traumberuf. Denn mit einem Arm kann sie ihrer Berufung als Ärztin schwer nachgehen.

Immer wieder vergisst sie, dass ihr ein Arm fehlt. Doch spätestens, wenn sie ihre Kinder umarmen will, merkt sie, dass es so, wie es einst war, nie mehr möglich ist. Vor allem das Stillen der Kleinen fällt Anna sehr schwer.

Ihren Kindern geht es heute den Umständen entsprechend gut. Sie werden bald entlassen. Das Einzige, was ihrem Arzt Sorgen macht, sind die Augen und die Sehkraft von Zahar, der weiterhin unter Beobachtung von Augenärzten stehen wird. Aber auch Psychologen werden die Kinder — solange wie notwendig — ihr Leben lang begleiten, da sie eine enorme psychische Belastung erlebt haben und im Moment immer noch unter Schock stehen. Sie haben große Angst vor jeglichen Explosionen, selbst vor den Fotoapparaten, und müssen weiterhin rehabilitiert werden. Aber der Arzt hofft das Beste für alle Überlebenden der Familie Tuf.

Nach diesem schrecklichen Schicksalstag hatte Anna Angst gehabt, in Gorlowka zu bleiben, aufgrund ununterbrochener Beschüsse der Stadt, die in ihrer Stadt bereits seit fast 1 Jahr fast täglich stattfinden. Sie wollte auch weit weg von ihrem Unglück sein. Deshalb wurde sie in ein Krankenhaus in Donezk gebracht, wo sie und ihre Kinder sich wohlfühlen, u.a. dank Fürsorge des Krankenhauspersonals. Auch, wenn in Donezk ebenso ein Kriegszustand herrscht, fühlt sich Anna hier geborgen und sicher:

«Ich verspüre ein Gefühl der Sicherheit… Ich glaube, ich habe Glück, hier zu sein. Ich bin allen Menschen dankbar, die uns hierher gebracht haben, die uns aufgenommen haben und überhaupt allen, die die Bereitschaft gezeigt haben, uns helfen zu wollen. Danke.»

Aber auch den ukrainischen Soldaten von Poroschenko hat Anna etwas mitzuteilen
(ab 5:40 min):

«Niemand wird euch dafür belohnen. Man schickt euch hierher, um nicht gegen die Militärs zu kämpfen. Man schickt euch, um die friedlichen Bewohner zu töten. Ihr seid nur Marionetten in ihren Händen. Und wenn ihr verstümmelt werdet, wird euch die ukrainische Regierung nicht mal «Danke» sagen. Ihr werdet ausgenutzt. Und wenn ihr mein Interview gerade seht, bitte ich euch, als Frau und Mutter: Unterstützt diesen Krieg nicht! Das ist nicht euer Krieg. Wir haben immer alle zusammengelebt. Und dieser Krieg ist ein Bruderkrieg. Ihr kämpft gegen die Falschen.»

Die 2wöchige Milana soll ihrem Vater sehr ähnlich sehen. Ihr Lächeln schenkt sie heute ihrem Papa Jura. Jura war ein toller, gutaussehender und gutmütiger Mann, schwärmt Anna von ihrem Ehemann. In der letzten Zeit soll er sogar seinen Freunden und Mitmenschen vieles verschenkt haben. Einfach so. Als hätte er es geahnt, dass 2 Geschosse das Heim seiner Familie bald zu Schutt und Asche machen werden.

Außer den 2 Fotos von ihrer ermordeten Tochter sowie ihren 2 Kindern ist Anna nichts mehr von ihrem alten Leben geblieben. Nicht mal ein Dach über dem Kopf. Ihr Haus kann nicht mehr wiederaufgebaut werden. Die Gegend, in der sie lebten, steht unter einem ständigen Beschuss seitens der Kiewer Truppen. Als ihre kleine Katja noch lebte, ging sie trotzdem täglich in die Schule. Anna brachte und holte sie immer ab. Die Angst ums Leben war ein täglicher Begleiter dieser Familie, die sich monatelang in ihrem Keller versteckte.

Zahar ist 2 und weicht keinen Zentimeter von seiner Mama. Der kleine Große fragt immer, wann sie endlich wieder nach Hause gehen können. Während des ganzen Krieges hat Zahar kaum geschlafen, kaum eine Nacht in Ruhe erlebt. Hier, im Krankenhaus, konnte er endlich wieder ausschlafen, ohne von den Artilleriebeschüssen geweckt zu werden. Und dennoch ist er jetzt der Mann im Hause Tuf. Der einzige Mann. «Jetzt wirst du uns alle beschützen», scherzt Anna. «Ja, ich werde euch beschützen», sagt Zahar. «Und ich werde sie (Milana) immer verstecken.» Wie furchtbar. Scheinbar denkt der kleine Zahar, dass der Krieg etwas ganz Normales ist und zum Leben einfach dazu gehört…

REMEMBERS SPENDEN HOFFUNG. AUF EIN LEBEN NACH DEM ÜBERLEBEN.

Nun muss Anja — mit 2 kleinen Kindern auf 1 Arm sowie ohne einem Dach über dem Kopf, den geliebten Ehemann und ihre 11jährige Tochter — das Leben meistern. Sowohl für sich als auch ihre Familie.

Sie will am liebsten ganz aus Gorlowka weg, da sie nicht weiß, welches Schicksal sie und die Kleinen morgen in ihrer Heimatstadt erwartet. Sie will ihre 2 Engel, die ihr — wie durch ein Wunder — noch geblieben sind, unbedingt vor den Regierungstruppen der Ukraine schützen. Sie wünscht sich sehnsüchtig ein Leben ohne Angst. Ein Leben in Sicherheit. Für sich und ihre Familie.

Schon heute freut sich Anna auf eine Armprothese, um ihre Kinder endlich umarmen zu können. So richtig richtig. So, wie es jeder von uns auch tut: Mit 2 Armen.

Deshalb sind wir Anna — auf dem Weg zur Erfüllung ihres neuen Lebenswunsches — einen Schritt entgegengekommen und haben auf ihr Konto, welches von ihren Freunden speziell in Russland eingerichtet wurde, bereits 1.100 Euro (65.000 Rubel) überwiesen. Und zwar von den gesammelten Spendengeldern unserer REMEMBERS Frühjahrsaktion 2015. Natürlich dank eurer tatkräftigen Unterstützung und in Zusammenarbeit mit EUROPEANFRONT.

Und dafür möchten wir uns bei allen unseren Donbass-Freunden ganz herzlich bedanken. Denn ohne euch wäre uns auch diese Hilfeleistung niemals möglich gewesen. DANKE & SPASIBO. Auch im Namen von Anna, Zahar und Milana Tuf.

Eine Dokumentation weiterer, erfolgreich abgeschossener REMEMBERS Spendenaktionen wird es demnächst auf unserer Webseite sowie auf Facebook, Google+, Twitter und VKontakte geben. Erfolgsrückblick auf unsere Winterspendenaktion 2014/2015 hier .

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Туф платежка

Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.

 

Ihr wollt uns auch helfen, das Überleben von Kindern, ihren Familien sowie von kranken und alten Menschen in Donbass zu sichern? Gerne. Einfach hier auf “Spenden” klicken, den gewünschten Geldbeitrag eingeben, Formular ausfüllen und absenden.

Wir sagen “DANKE & SPASIBO”.
 Für euren Spenden-Einsatz. In unserem Kampf ums Überleben der Zivilbevölkerung im Kriegsgebiet Donbass.

Den aktuellen Stand unserer Spendenaktion finden Sie jetzt im folgenden REMEMBERS Beitrag.

 

 

 

REMEMBERS lässt die Hoffnung blühen. Auf Überleben in Donbass.


FRÜHJAHRS/SOMMERSPENDENAKTION 2015

Dokumentation der Spenden-Einnahmen

Aktionszeitraum: 16. Mai — 06. Juni 2015
Status: Spendensammlung & Organisation & Abschluss und Durchführung nächster Hilfsaktionen

Martin L. 500 €
Alfred J. 50 €
Angelika P. 30 €
Stephan D. 20 €
Gunther E. 50 €
Wolfgang D. 10 €
Olaf D. 50 €
Peter K. 75 €
Peter Z. 58 €
Irene E. 50 €
Nikolaj G. 20 €
Ines K. 10 €
Matthias L. 50 €
Hannelore W. 10 €
Matthias S. 250 €
Anton G. 200 €
Wolfgang K. 50 €
Torsten N. 15 €
Jan-N. G. 35 €
Klara B. 20 €
Maik D. 10 €
Anna K. 10 €
Das H. W. 20 €
Christian O. 100 €

Aktionszeitraum: 17. Februar — 16. Mai 2015

Emil W. 20 €
Stefan D. 25 €
Stefano D. 50 €
Dennis M. 200,00 €
Ulrich F. 50 €
Dirk H. 25 €
Dennis H. 50 €
Rolf D. 5,00 €
Ronny S. 50 €
Diego M. 500,00 €
Frank H. 100,00 €
Ralf B. 50 €
Frank H. 100 €
Josef L. 50 €
Herbert S. 100 €
Helmut T. 50 €
Gerhard H. 50 €
Irina H. 29,90 €
Julia A. 10 €
Jens-Bernd T. 20 €
Vassily S. 10 €
Joachim P. 50 €
Stephan D. 15 €
Leander H. 20 €
Günter D. 30 €
Willi P. 50 €
Wolfgang F. 20 €
Michael G. 10 €
Dietmar L. 10 €
Martin H. 5 €
Lothar F. 25
Jens W. 50 €
Georg M. 10 €
Matthias S. 250 €
Viktor P. 25 €
Elektro-P. 10 €
Eduard S. 5
Thomas R. 12
Vladimir B. 10
Gerald P. 500
Susanne G. 5
Rico S. 11
Reinhard F. 50
Ekaterina L. 10
Alexander S. 5 
Stephan D. 15
Matthias S. 500
Ulrich G. 100
Gerd U. 101
Gerald P. 500
Helmut K. 150
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Aktueller Spenden-Stand:
5.791,90 €
(abzgl. Paypal-Gebühren)

davon bereits:
— 2.000 Euro an Rentner & Veteranen des 2. Weltkrieges in Donezk (Mai 2015): ausführlicher Erfolgsbericht folgt
— 1.100 Euro (65.000 Rubel) Euro an Anna Tuf aus Gorlowka (Juni 2015): persönliche Danksagung von Anna an REMEMBERS in Planung

in Kürze:
— alle restlichen Spendengelder der Frühjahrs/Sommeraktion 2015 an unseren Partner vor Ort — Alexey Smirnov aus dem Humanitären Bataillon «Engel» — für hilfsbedürftige Bewohner von Donbass

aktuell:
Spendensammlung & Planung & Organisation unserer nächsten REMEMBERS Sommerspendenaktion 2015 für hilfsbedürftige Kinder von Donbass — anlässlich des Schulbeginns am 1. September 2015