STEPAN BANDERA: DER GUTE HITLER?

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Kiew: B-Day-Fackelmarsch zu Ehren von SS-Bandera

Anlässlich des 106. Geburtstages des ukrainischen «Hitlers» namens Bandera haben am 1. Januar 2015 in Kiew tausende Anhänger rechtsextremer Parteien einen Fackelmarsch organisiert und — wie leider erwartet — auf ihre Art erfolgreich durchgeführt.

 

Oleg Tjagnibok — der Anführer der rechtsextremen «Swoboda»-Partei — forderte die ukrainische Regierung auf, Bandera endlich zum Helden der Ukraine zu erklären. Aber auch zwischen 2.000 (laut Interfax-Ukraine) und 5.000 (laut Veranstalter) Anhänger des radikalen «Rechten Sektors» waren mit dabei. Zahlreiche Teilnehmer trugen deutsche Militäruniformen aus dem 2. Weltkrieg und skandierten «Ukraine über alles!», «Ukraine den Ukrainern» sowie «Bandera wird zurückkehren und für Ordnung sorgen».

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Und zur Feier des Tages wurden selbstverständlich auch die neuen Traditionen in UND außerhalb der neuen Ukraine eingehalten. Vom Überfall auf russische Journalisten über Verharmlosung des Ukra-Faschismus in den westlichen Medien bis hin zur Explosion im Fascho-Milieu.

 

LifeNews: Erneuter Überfall auf russische Journalisten

Bei dem o.g. Fackelaufmarsch ukrainischer Faschisten wurde das LifeNews-Team (in diesem Fall Journalistin Zhanna Karpenko & Kameramann Aleksandr Ulyanenko) wieder von den Anhängern des «Rechten Sektors» angegriffen und anschließend überfallen. Die Peiniger zerstörten die Team-Kamera und nahmen ein Handy mit. http://lifenews.ru/news/147946

“Dieser neue Angriff auf russische Journalisten ist ein erneuter und deutlicher Beweis für die Verfolgung von Pressevertretern in der Ukraine und stellt eine eklatante Verletzung der Prinzipien der Redefreiheit dar», so Maria Zakharowa, Leiterin der Presseabteilung des russischen Außenministeriums.

Zudem kritisierte Zakharowa, dass die Kiewer-Autoritäten nichts tun, um der Presse ein sicheres Arbeitsumfeld zu ermöglichen und wies nochmals darauf hin, dass die Journalisten die Polizei um Hilfe baten, aber von diesen ignoriert wurden.

Abschließend rief sie die internationale Gemeinschaft dazu auf, endlich Stellung zu beziehen:

“Es wäre wichtig, dass anti-faschistische Organisationen ihre Stimme erheben, denn es geht um spezifische neo-nazistische Tendenzen, die in Form und Inhalt direkt Nazi-Traditionen kopieren. Dazu zu schweigen,ist ein Akt der Zustimmung.” 1

 

Euronews: Verharmlosung des Ukra-Faschismus in den Medien

Anstatt Stepan Bandera als Nazi, NS-Kriegsverbrecher und/oder als ukrainischer SS-Führer Hitler-Kollaborateur zu bezeichnen, entzieht sich EURONEWS einer konkreten Stellung und nennt ihn einfach einen «umstrittenen Nationalisten».2 Was für eine Schande!

Deutsche Wirtschaftsnachrichten dazu:
«Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie der von EU-Steuergeldern finanzierte Sender Euronews über den Aufmarsch berichtet. Der Sender lässt eine Teilnehmerin, die angeblich der Swoboda-Partei angehört, mit folgenden Statement zu Wort kommen, ohne zu widersprechen oder eine Gegenmeinung einzuholen: “Einst sagte Stepan Bandera, dass Russland unser Feind sei. Und heute stellt sich heraus, dass er recht hatte. Jetzt hat Russland die unabhängige Ukraine angegriffen. Bandera sagte damals die Wahrheit.”

Etwas später rutscht dem EU-Sender jedoch ein kleines Detail durch. Da heißt es: “Viele Kämpfer des rechten Sektors, die am Umsturz in Kiew Anfang 2014 beteiligt waren, sehen Bandera als Vorbild. Sie nahmen an dem Fackelzug in Uniform teil.” Bisher hatte es die EU vermieden, im Zusammenhang mit den Maidan-Ereignissen von einem “Umsturz” zu sprechen. Der angesehene österreichische Diplomat Wolfgang Petritsch hatte dagegen stets von einem Ereignis mit “putschähnlichem Charakter” gesprochen.

Euronews erhält laut Wikipedia jährlich 15 Millionen Euro von der EU-Kommission. Der entsprechende Link auf die Finanzierung führt auf eine Seite, die von der EU offensichtlich vom Netz genommen wurde.» 3

CHARKOW: Reaktionen der Antifaschisten auf derartige Feierlichkeiten 

Am 2. Januar ist in der Charkower Innenstadt in einem Restaurant namens «New-Hata» («Neue Bude») eine Explosion ereignet. Insider berichten, dass dort an diesem Tag der Geburtstag von Bandera nach- bzw. weitergefeiert wurde. 4

Doch WTF ist eigentlich Bandera??


BANDERA: Zwischen Himmel und Hölle

Für die Rechten — ein Idol. Für alle anderen Geradeaus-Denker — nichts anderes als ein Faschist und ein Nazi-Kollaborateur.

Stepan Bandera (1. Januar 1909 – 15. September 1959) war ein führender Kopf der ukrainischen nationalistischen Bewegung OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten) und bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts DAS Symbol des Kampfes gegen die Sowjetmacht. Auch während der Maidan-Proteste spielte er eine wichtige Rolle.

Er hat radikale Aktionen für die Lösung der Frage der ukrainischen Unabhängigkeit befürwortete. Bereits als junger Mann organisierte Stepan Bandera mehrere Terroranschläge (der bekannteste davon war die Ermordung des polnischen Innenministers Bronisław Pieracki am 15. Juni 1934). Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, kam jedoch mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges frei. Im Februar 1940 stellte er sich an die Spitze des „revolutionären Flügels“ der OUN, der später nach seinem Anführer als „Bandera-Flügel“ bezeichnet wurde. Nach dem missglückten Versuch, in Lwow einen ukrainischen Staat auszurufen, wurde er am 30. Juni 1941 verhaftet und bis Dezember 1944 im Nazi-Konzentrationslager Sachsenhausen gefangen gehalten. Im Dezember 1944 lehnte er die ihm angebotene Zusammenarbeit mit Nazi-Deutschland ab. Stepan Bandera wurde durch den sowjetischen Agenten Bogdan Staschinski in München ermordet.

Der von Bandera angeführte OUN-Flügel hatte bereits 1942 versucht, eine von den Nazis unabhängige Armee für den Kampf für einen ukrainischen Staat aufzustellen. Ende des Jahres entstand die Ukrainische Aufständische Armee (UPA); ihre ersten Kämpfe führte diese Partisanenarmee gegen deutsche Truppen und die Polnische Heimatarmee. Hervorzuheben ist die Beteiligung der UPA am Holocaust und an Massakern an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien, bislang eine von den ukrainischen Nationalisten nur ungern und ambivalent eingestandene Tatsache. Die UPA wurde von Roman Schuchewitsch (gefallen 1950) befehligt, einem ehemaligen Offizier des ukrainischen SS-Bataillons „Nachtigall“, der gleichzeitig auch der eigentliche Anführer der nationalistischen Partisanenbewegung war. Die wichtigsten Ereignisse des Widerstands und des Kampfes der UPA betreffen den Kampf gegen die sowjetischen Truppen und die Sowjetmacht in der Westukraine im Zeitraum von 1944 bis 1954.5

RADA: Legalisierung des Ukra-Faschismus

 

Kiew, 1. Dezember 2014: Ein Gesetzentwurf über «Die Anerkennung der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und Ukrainischer Aufstandsarmee (UPA) als kriegsführend für die Befreiung der Ukraine im Zweiten Weltkrieg“ wurde in der Werchowna Rada registriert.

Sechs Parlamentsabgeordneten des ukrainischen Parlaments haben einen Gesetzentwurf in die Werchowna Rada eingebracht, in dem man behauptet, dass die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) für die Befreiung der Ukraine im 2. Weltkrieg gekämpft haben.

Die alte Rada hat es im Oktober 2014 abgelehnt. Als Folge dieser Entscheidung ließen die Demonstrationen der ukrainischen Nationalisten nicht lange auf sich warten. Die Demonstranten haben begonnen, die Miliz wurde mit Petarden und Nebelkörper beworfen.

Der Sprecher der Rada war gezwungen, die Sitzung aufgrund der Provokationen vorzeitig zu beenden. Die Vertreter der «Vaterland»-Partei von Julia Timoschenko haben erklärt, dass der Gesetzentwurf über die Tätigkeit der OUN-UPA von der neuen Rada behandelt wird.

Die Nazi-Bewegung „ der Rechter Sektor“, die u.a. durch besonders brutale Folterungen von Miliz auf dem Maidan sowie durch die Verbrennung der Menschen am lebendigen Leibe in Odessa bekannt geworden ist, sieht sich als Nachfolger der UPA.

Die Abgeordneten, die diesen Gesetzentwurf hervorgebracht haben, sind überzeugt, dass die oben genannten Organisationen einen Befreiungskampf für die unabhängige Ukraine geführt haben, und der Stepan Bandera, der mit Hitler kollaboriert hat, ein Held der Ukraine ist.

REMEMBERS: Ein paar Schlussworte zum Nachdenken

Stepan Bandera, OUN und UPA waren also Kollaborateure der Nazis und in die grausame NS-Kriegs- und Vernichtungsmaschinerie integriert. Heute sind sie Kultikonen der neuen pro-westlichen Machthabern in der Ukraine und stellen aus unserer Sicht eine große Gefahr da. Und zwar nicht nur für die Ukraine.

Die heutige Ukraine brennt in Flamen des Bürgerkrieges. Aus diesem Feuer der nationalistischen Fackelmärsche, die sich von der West-Ukraine auf das ganze Land verbreitet haben, will man auf den Trümmern von Schulen, Kranken- und Wohnhäusern des gegen diese braune Pest aufständischen Süd-Ostens der Ukraine einen faschistischen Staat errichten.

Die Heroisierung von Stepan Bandera und Roman Schuchewytsch ist eine gefährliche Tendenz und ein Warnsignal nicht nur für die Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges, sondern für alle antifaschistischen Kräfte und Bewegungen. Die Legalisierung des Faschismus als solches, mitten in Europa, kann einfach nichts Gutes heißen für die ganze Welt bedeuten.

Und das Allerschlimmste, Freunde: Unsere westlichen Medien sind immer noch bemüht, die prominente Rolle von Faschisten in der Ukraine zu verharmlosen oder gar zu verbergen.

 

Quellen:

1 http://www.rtdeutsch.com/8822/headline/russische-journalisten-zusammengeschlagen-und-beraubt-bei-rechtsextremem-fackelumzug-in-kiew/

2 http://eurone.ws/GG0uP

3 http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/12/02/ukraine-us-investment-bankerin-ist-neue-finanzministerin/

4 http://glagol.su/2015/01/02/v-tsentre-harkova-vzorvalsya-restoran-nyu-hata-foto/

5 http://www.boell.de/de/2014/12/09/die-symbolisierung-der-ukrainischen-vergangenheit-stepan-bandera-und-die-upa 

 
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Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.