UKRAINE: 15 JAHRE HAFT FÜR ANDERSDENKER KOTSABA

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Der Journalist des ukrainischen TV-Senders “112” Ruslan Kotsaba hatte im Januar 2015 zum Start der neuen Zwangsmobilisierungswelle in seinem Land öffentlich Stellung genommen. Mit seiner Video-Botschaft wendete er sich an seine Landsleute, den Wehrdienst in Donbass gegen die eigenen Brüder zu verweigern:

«Es würde mir einfacher fallen, ins Gefängnis zu gehen (ich glaube es sollen 2 bis 5 Jahre sein) als in den Bürgerkrieg zu ziehen und meine Mitbürger im Osten zu töten oder beim Töten indirekt zu helfen.» 

 

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Kotsaba: «Dies ist eine politisch-motivierte Verurteilung. Die Nächsten werdet ihr sein!»

Dass solch ein eindeutiger Appell an das ukrainische Volk gegen die Kiewer Regierung Folgen haben könnte, war Ruslan Kostaba von Anfang an bewusst. Dennoch war er überrascht, als der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) an einem Samstagmorgen gewaltsam seine Wohnung gestürmt, durchsucht und ihn anschließend verhaftet hatte. Der Journalist erlitt einen Herzinfarkt. Seine Familie steht bis heute unter Schock. Am 14. Februar 2015 wurde vor dem Gericht von Iwano-Frankowsk vorerst für 2 Monate Untersuchungshaft verurteilt. Nun drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

Doch selbst nach einem Herzinfarkt und hinter Gittern gab Ruslan Kostaba nicht auf und versuchte erneut in aller Öffentlichkeit seine Meinung zu all der Ungerechtigkeit, die aktuell in der Ukraine passiert, zu äußern und zu untermauern:

«Habe ICH denn die Administrationsstelle des ukrainischen Sicherheitsdienstes gestürmt? Habe ICH denn die Polizeistation in Iwano-Frankowsk gestürmt? Habe ICH denn das Haus der Regionalverwaltung in Iwano-Frankowsk gestürmt? Oder wie? Habt IHR denn einen der Verantwortlichen für die von mir erwähnten Taten festgenommen und gerichtlich verurteilt?

Liebe Leute, was tut ihr denn? Haben wir denn jetzt 1937, oder was? Oder ist es jetzt wie zu den Stalins Zeiten? Ihr seid die nächsten! Versteht ihr es denn das nicht? Sie werden zu euch kommen und sie werden euch einfach erschießen…Versteht ihr denn die Situation nicht? Versteht ihr nicht, was gerade passiert?

Ich bin der Stellvertretende des Vereins zum Gedenken an die Befreiung der Karpaten-Region. Ich weiß genau, was passierte, als die Gesellschaft damals schwieg. Und ihr wisst genau, dass ich mich für die gesellschaftlichen Interessen einsetze. Nicht für mich selbst, sondern weil ich nicht will, dass Menschen getötet werden.

Einen Bürgerkrieg kann man nicht mittels eines Militäreisatzes beenden. Sondern nur durch Führung von Dialogen und Verhandlungen. Und ich garantiere euch, dass ich erst jetzt erfahren habe, dass der General-Staatsanwalt Jarema entlassen wurden. Das ist das erste Glied in der Kette. Als nächster ist Awakow dran. Dann aber wird man auch dem Präsidenten zeigen… Lasst mich doch aussprechen! Ich störe doch niemanden. Versteht ihr nicht, dass sie mich verurteilt haben? Aber haben sie auch die Gründe genannt? Sie haben doch die Lustration nicht durchgemacht. Sie wurden nicht mal dafür bestraft, was sie alles unter der Regierung von Janukowitsch gemacht hatten. Und sie wollen mir… mir?!!!!.. einem Ukrainer?!!!!… erklären, dass ich etwas Schlimmes getan habe?

Dreckspack! Schämt ihr euch nicht? Und ihr habt Schlösser. Einen Jeep und eine Wohnung im Stadtzentrum. Was macht ihr mit mir? Man wird mir eine 12-jährige Haftstrafe anhängen. Ich werde erst rauskommen, wenn ich 60 Jahre alt bin. Ihr nimmt mich so meinen Töchtern weg. Deswegen seid lieber still.

Und ihr, die Jung aus der Verteidigung. Ihr seid Zeugen all dessen. Ihr habt mich gesehen. Ihr habt mich seit Jahren beobachtet. Ihr wisst genau, dass ich keine Spionage betrieben habe. Ihr wisst, dass es keinen Grund für mich gibt, mich entschuldigen zu müssen. Ihr wisst, dass in der TV-Show außer mir zig andere Ukrainer waren, auch ein Vertreter der Botschaft und der NATO in Russland. Sie würden sie nicht verurteilen, weil es außer Rand der Akzeptanz geraten würde. Aber versteht ihr die Situation nicht?

Ihr seid die Nächsten! Man wird euch vorwerfen, für den Tod von Menschen auf dem Maidan verantwortlich zu sein, durch die Anstachelung dieser zur Provokation. Und auf diese Weise werdet ihr als Freiwillige dahin (Donbass) gehen. Und dann? Danach könnt ihr einer Mutter ihren Sohn nicht ersetzen und den Kindern ihren Vater. Und IHR werdet in Kampfanzügen laufen, während DIE eine Befreiung vom Militärdienst in der Tasche haben werden. Schaut mal, was ist es für ein Kämpfer? Er ist ein Verräter. Am Heiligabend, wenn die normalen Menschen zum Betten gehen, ging er zum ukrainischen Sicherheitsdienst, um mich zu denunzieren. Seine ganze Familie tat es immer so. Die RT wird heute das zeigen, was die Ukraine nur erniedrigen wird. Und zigtausende Menschen werden danach überzeugt sein, dass sie diesen Staat verlassen müssen.

Dies ist eine politisch-motivierte Verurteilung. Die Nächsten werdet ihr sein! Und es tut mir Leid, dass die Journalisten, die jetzt eigentlich weltweit die Wahrheit verbreiten sollten, in Wirklichkeit die dumme Propaganda unterstützen. Ich werde der Spionage beschuldigt, weil ich in einer russischen TV-Talk-Show auftrat.

Journalisten, sagt das weiter!»

  

Ukraine: 8 «Selbstmorde» renommierter Andersdenker in nur 1 Monat

Dass derartige Meinungsverschiedenheiten in der neuen Ukraine direkt in den Knast oder gar zum «plötzlichen» Tod aller Andersdenker führen, zeigen uns auch die aktuellen 8 «Selbstmordfälle» ukrainischer Journalisten und Oppositionspolitiker. Und zwar in nur 1 Monat:

— Olga Moroz (44), Chefredakteurin der ukrainischen Zeitung «Neteshinsky Vestnik» — tot aufgefunden in ihrer Wohnung in der Region Chmelnizki

Alexander Peklushenko, ehemaliger Gouverneur von Zaporozhzhye und Mitglied der «Partei der Regionen»

Michael Chechetow, ehemaliges Mitglied der «Partei der Regionen» und ehemaliger Leiter des staatlichen Grundstücksfonds — gestürzt aus dem Fenster seiner Wohnung, am Tag der Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemtsow, dem 27. Februar 

Nicholai Sergienko, der ehemalige Vorsitzende des Regionalrates in Charkow

Sergei Valter, Ex-Bürgermeister von Melitopol

Sergey Bordyuga, Polizeichef von Melitopol

— Stanislaw Melnik, der ehemalige Abgeordnete

Aber auch die Liste der durch den Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) getöteten Journalisten wird immer länger:

— RTR Mitarbeiter Igor Korneljuk und Anton Woloschin

— der Betreiber des «Channel One» Anatoly Kljan

— der italienische Journalist Andy Rokkelli und sein Übersetzer Andrei Mironov

— Fotojournalist von “RIA” Andrew Stenin

 

Und, Freunde? Habt ihr schon mal was in unseren Medien davon gehört, gelesen oder gesehen? Wir auch nicht. Warum? Weil auch dies die Wahrheit über die neue, «einheitliche» und «eu-demokratische» Ukraine ist. Die unbequeme Wahrheit, die aus der Sicht der westlichen Politikern und Medien leider bis heute keinen Platz in unserer Öffentlichkeit findet. Denn die Sitze sind belegt. Und aufstehen will natürlich keiner.

 

Quellen:

http://reporter.vesti-ukr.com/art/y2015/n6/13145-ruslan-kotsaba-ispoved-arestanta.html#.VQrG2mZO8fr
http://www.rtdeutsch.com/14538/international/ukraine-acht-selbstmorde-von-prominenten-oppositionspolitikern-und-journalisten-in-nur-einem-monat/

 

Beitrag @Marina F. & REMEMBERS

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Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.