DIE STIMMEN AUS DEM BUNKER

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REMEMBERS Exklusive: «Gestern wollte man uns töten» 

Der 14. November 2014 war für Gorlowka/Donezk ein Tag, den die Einwohner von Donbass niemals vergessen werden. Denn beim massiven Beschuss der Stadt mit Hilfe von Mehrfachraketenwerfern «Grad» verlor eine vierköpfige Familie alle ihre Familienmitglieder. Wie schrecklich diese endlosen Stunden für alle Menschen von Gorlowka waren, kann man anhand folgender Chronologie des Tages miterleben, die ein Mann direkt aus seinem Kellerversteck geführt hat.    

 14 November, Gorlowka

18:58Sie haben begonnen, uns zu verdreschen. Es pfeift. Das Geschoss schlägt ein. Sehr gewaltig!

18:59Wir sind im Keller! Ich habe keine Verbindung zu meiner Familie. Ich bin im Nachbarhaus.

19:04Ein sehr schlimmer Beschuss. Das Haus ist ohne Fenster geblieben.

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19:22Sie töten uns!

19:33Drei direkte Treffer ins Haus! Die 7. und 8. Etage sind alle zerstört. Ein Mädchen schreit «Mama!»

19:38
– Alles ist voller Scherben…. Das ist der Eingang in den Bunker.

20:12
– Das Gymnasium hat’s auch getroffen.

20:17
Meine Frau ist mit Warja im Keller des Hausbarhauses. Die Verbindung ist wieder da.

20:21
– Ein Auto holt gerade die Leichen ab. Die Deckenträger der 9. Etage sind auf die 8. heruntergestürzt. Eine Frau ohne Kopf wurde rausgetragen. Ich renne erst mal zu meinen… Gott ist mit uns!

20:59
– Ein Geschoss traf das Dach eines Supermarktes, zerstörte es aber nicht. Auch das Dach des Gymnasiums wurde getroffen, aber das Geschoss ist nicht explodiert.

21:04
– Ein Mann weint. Er weiß nicht mehr, wo er hingehen soll. Sie waren zu Besuch bei Freunden und kamen zurück — in den Bunker. Sie hatten das Glück, dass sie nicht zu Hause waren.

22:35
Wir geben nicht auf!

23:01
– Wir haben bald kein Wasser mehr. Bis zum Morgen müsste es aber reichen. Wie gut, dass wir das Wasser vorher besorgt haben.

23:31 
– Es ist so schwer und kaum wiederzugeben, was hier gerade alles passiert. Die Kinder weinen, viele versuchen einzuschlafen. Und wir warten auf den nächsten Einschlag.

23:35
– Warja: «Papa, wird es hier Internet geben?»

23:45
– Sie beschießen uns ununterbrochen! Sie wollen uns aus unseren eigenen Häusern verjagen, genau so wie im Juli, damit sie dann die «Straßen» und «Plätze» wieder unter ihren Beschuss nehmen können. Das ist eine Warnung für uns.

0:35
– Um Gottes Willen sollt ihr die Blicke der Mütter während des Beschusses sehen. Sie sind voller Hass auf die Mörder und voller Angst um ihre Kinder.

0:45
– Wir haben einen Rote-Bete-Salat gefunden und etwas Brot. Und noch 2 Würstchen.

1:32
– Alle reden nur noch über den Beschuss, die Splitter, die getöteten Bekannten.

1:35
– Man kann die Bombardements überleben, aber diesen schrecklichen Geruch von Corvalol, der hier überall und in jedem drin ist, kann man nur schwer ertragen.

1:37
In dem Haus auf der Straße Magistralnaja Nr. 1 (9stöckig) ist der ganze Eingang zusammengebrochen. F***!

 15 November:

16:33
– Man will leben und sich an die Kindheit erinnern: Den Garten von der Oma (Stachelbeeren, Johannisbeeren). Und an was wird sich meine Warja erinnern? Beschuss, Bunker und getötete Freundinnen?

16:49
– Man spricht über uns auf dem TV-Kanal «Rossia 24». Sie haben uns dort gezeigt. Gestern wollte man uns töten. Ich haben versucht, alles aufzuschreiben, was ich konnte. Und ich werde es auch beim nächsten Mal tun. Hier bin ich und meine Familie ist auch hier. Wir werden hier nicht gehen!

 

 Quelle/Autor: Жур@ВСЕХ_НЕТ (https://twitter.com/BCEX_HET)

Mehr Infos, Fotos & Videos zum 14. November in Gorlowka hier:

https://remembers.achtungpartisanen.ru/vierkopfige-familie-stirbt-durch-artilleriebeschuss/

https://remembers.achtungpartisanen.ru/remembers-pic-des-tages/

https://remembers.achtungpartisanen.ru/remembers-stunde-24-donbass-14-november/

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Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.