DONBASS AKTUELL: RÜSTUNGSABZUG UNTERZEICHNET — DONEZK ERNEUT UNTER BESCHUSS

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«Flüchtlingskrise» in Europa, «Bürgerkrieg» in Syrien und das alljährliche «Wer mit Wem» auf dem Münchner Oktoberfest. Bereits seit Wochen rückt das Thema Donbass immer stärker in den geopolitischen und multimedialen Hintergrund und selbst die internationalen Antimainstream-Medien verfallen immer mehr in ein erwartungsvolles Schweigen bezüglich der Lage im Osten der ehemaligen Ukraine. Doch aus unserer Sicht ist das — und ganz besonders heute — der falsche Weg zu einer Lösung des s.g. «Ukraine-Konfliktes».

Denn auch, wenn auf dem Minsker Klopapier vom 2. September zum x-ten Mal die Rede vom «Sofort-Waffenstillstand» ist und am 29. September nun auch der Abzug aller schweren Waffen von der Frontlinie unterzeichnet wurde, bleibt die aktuelle Situation in Donbass nahezu unverändert und unübersichtlicher denn je.

 

Hinter den Kulissen von Donbass oder was heute gerne allerorts verschwiegen wird

Neben den täglichen bzw. nächtlichen Beschüssen ziviler Gebiete aus Schwerartillerie, massiven Provokationen des Widerstandes zur militärischen Handlungen seitens der Kiewer Truppen (1) sowie ständiger Bewegung ukrainischer Militärtechnik in Richtung Donbass wächst im Osten der ehemaligen Ukraine eine neue Art der Angst und der Gefahr:

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Zum einen hat die Ukraine, wie bereits berichtet, vor wenigen Wochen ihren Krieg gegen die «russische Aggression» offiziell in die „Militäroperation zur Suche und Zerstörung von Diversionsgruppen des Feindes“ umbenannt. Laut den Repräsentanten der Volksrepubliken Donezk und Lugansk versucht Kiew nun unter diesem Deckmantel, all seine Greueltaten, die sich gegen die Volksarmee und die Donbass Bevölkerung richten, erneut als seinen „Kampf gegen den Terror“ zu deklarieren. Also ganz nach dem US-Vorbild. Sei es der Beschuss der Positionen des Widerstandes, die Überfälle auf Hilfskonvois, die auf dem Weg in die Republik sind, inklusive ihrer Plünderungen, oder die im Vorfeld bis ins Detail geplante Terrorakte, die weiterhin das Leben unschuldiger Menschen, hauptsächlich Zivilisten, mit sich nehmen. So wie es am 24. September 2015 bereits der Fall war, als die 9-jährige Xenia bei einer Militär-Ausstellung in der Donezker Volksrepublik infolge einer Bombenexplosion ums Leben kam und 3 weitere Zivilisten, darunter auch der 6-jähriger Bruder des Mädchens, lebensgefährlich verletzt wurden.

Laut aktuellen Meldungen einzelner Widerstandskämpfer kommt es in Donbass sogar viel öfters zum Beschuss, als heute in den Medien darüber berichtet wird. Insbesondere in Gorlowka, Bahmutka sowie in den Vororten Kalinowka, Logwinowo und Lozowoe haben sich die Beschüsse ziviler Gebiete sogar erneut vermehrfacht. Aber auch in der Volksrepublik Lugansk kommt es seitens der Kiewer Truppen immer mehr zu Provokationen der Volksarmee und zu Artilleriebeschüssen der Wohngebiete. (2)

Die Bewohnerin des Dorfes Zajzewo, Donezker Volksrepublik, welches sich in nur 300 Metern vom nächsten ukrainischen Blockposten befinden, bestätigt in ihrem aktuellen Augenzeugenbericht die o.g. Front-Meldungen: In Donbass ist bis dato vom Frieden keine Spur zu entdecken. Auch wenn die Beschüsse heute, ihrer Meinung nach, seltener geworden sind und die Menschen sich nicht mehr 24 Stunden lang in ihren Kellern verstecken müssen, wie es noch im August der Fall war:

«Die Beschüsse finden jede Nacht statt. Heute wurde sogar die Schwerartillerie eingesetzt. Also Panzer, die unser Dorf unter Beschuss nahmen. Glücklicherweise wurde dabei kaum etwas zerstört… Es gibt jedoch einen Verletzten, aber keine Getöteten… Insgesamt stehen heute bei uns 60% der Gebäude ohne Fenster. 30% sind ohne Dach und ca. 10% der Häuser wurden komplett zerstört. Diese Menschen haben einfach alles verloren…»

Und jetzt wird’s richtig interessant.

Minsk, 29.09.2015: Ab sofort gilt Rüstungsabzug — für alle

Am 29. September hat der US-Staatssekretär John Kerry eine überraschende Aussage bezüglich der nahen Zukunft von Donbass getroffen. Laut seiner Ansicht kommt es bereits in den nächsten Monaten, also noch vor dem Neujahr, zu einer endgültigen Lösung des militärischen Konflikts im Osten der ehemaligen Ukraine. (3)

«Der ukrainische Konflikt wird innerhalb der nächsten Monate gelöst. Wir erwarten dabei reale Fortschritte.»

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Der mögliche Grund für eine derartig positive Einschätzung der Zukunft für Donbass könnte die erneute Einigung der s.g. «Konflikt-Parteien» über einen Waffenabzug entlang der Frontlinie sein, die am 29. September 2015 in Minsk (zum 193. Mal?) unterzeichnet wurde — von den Vertretern Russlands, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und der Ukraine. Dabei handelt es sich um einen Abzug von Rüstungen mit einem Kaliber von weniger als 100 Millimetern. Dieser soll in Kürze in zwei Etappen erfolgen: Geschütze mit entsprechendem Kaliber und Panzer zuerst, danach die Mörser. (4)

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Puschilin (DVR): Waffenabzug könnte das Ende des Krieges bedeuten

Auch der Parlamentschef der DVR, Denis Puschilin, äußerste sich am 30. September voller Hoffnung bezüglich des aktuell unterzeichneten «Friedensabkommens» von Minsk:

«Aus meiner Sicht könnte es das Ende des Krieges bedeuten. Denn dies führt zum Abzug schwerer Technik auf eine für uns relevante Entfernung. Dadurch entsteht eine 30 Kilometer weite Pufferzone — jede Seite zieht 15 Kilometer ab. Aus diesem Grunde wird es schwierig sein, Beschüsse auszutauschen, und der ukrainischen Seite wird dadurch auch erschwert, unsere Truppen ständig zu provozieren.»  

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Donezk, 30.09.2015: Massiver Artilleriebeschuss der Metropole, Schwerverletzte und Zerstörungen

Und nur wenige Stunden nach dieser offiziellen Meldung von Puschilin hat die Ukraine erneut versucht, den Widerstand mit allen Mitteln zu militärischen Handlungen zu provozieren:

„Um Punkt 22 Uhr hat die ukrainische Seite das Feuer gegen die 11. Brigade eröffnet. Dabei kam alles zum Einsatz außer Panzer. Die Kämpfer der Volksarmee der Donezker Volksrepublik hatten mehrmals um Erlaubnis gebeten, auf das eröffnete Feuer entsprechend antworten zu dürfen. Daraufhin bekamen sie jedoch (von oben) immer wieder nur eine Antwort: «Das Feuer wird nicht eröffnet!» Natürlich waren sie (die Soldaten) darüber empört. Der Befehl wurde jedoch widerstandslos ausgeführt.»

Auch die Zivilisten in Donezk haben in der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober den ukrainischen Willen nach «Frieden» deutlich zu spüren bekommen. Infolge erneuter Artilleriebeschüsse der Metropole seitens der Kiewer Truppen wurde u.a. eine Chemiefabrik getroffen, wodurch es zu einer massiven Explosion und zu kilometerweiten Rauchwolken kam. Zudem wurde in Kujbyschewskij Gebiet auch ein Wohnhaus teilweise zerstört. In Petrowskij Gebiet wurde zudem sogar ein Zivilist schwer verletzt.

(ab 07:36 min):

Der Beschuss von Donezk geschah zwischen 3 und 4.15 Uhr am frühen Morgen und dauerte somit ca. 1,5 Stunden. Laut den Augenzeugen-Berichten handelte es sich dabei um eine ballistische Rakete «Tochka-U», die erneut gegen die unschuldigen Menschen in Donbass zum Einsatz kam. Und das nur wenige Stunden (!) nach dem neuen Minsker Waffenabzug-Abkommen.

Bis heute müssen sich die Bewohner von Donezk immer wieder wundern. Jedoch weniger über die Friedensbemühungen von Kiew, sondern viel mehr über die Arbeit der sich in Donbass befindenden OSZE-Beobachter. Denn anstatt objektiv die Lage im Kriegsgebiet Donbass zu betrachten und diese entsprechend zu konstatieren, sind sie entweder nicht da, wenn man sie braucht, oder sie kommen viel später zum jeweiligen Tatort, oder sie verschweigen die Greueltaten der ukrainischen Armee und haben dabei nur einen Schuldigen in ihrer Sicht: Den Widerstand.

(ab 08:37 min):

«Wir kamen hierher und dachten eigentlich, wir würden hier die OSZE antreffen. Denn ich zum Beispiel will sie persönlich fragen, warum sie immer nur den Widerstand beschuldigen und dabei ihre Augen davor verschießen, was die Ukraine hier anrichtet. Sie hält sich doch an keine Gesetze!!»

Zaharchenko: Minsker Rüstungsabzug ist hiermit Geschichte

Somit wurde auch diese, scheinbar erneut einseitig gewollte, Friedensvereinbarung nur innerhalb von 24 Stunden einfach zunichte gemacht. Deshalb hat der Ministerpräsident der Donezker Volksrepublik, Aleksandr Zaharchenko, am 1. Oktober 2015 in aller Öffentlichkeit verkündet, dass der Waffenabzug seitens des antifaschistischen Widerstandes hiermit annulliert wird:

«Laut den Minsker Vereinbarungen hätte es schon längst passieren müssen. Wir haben des Öfteren versucht, unsere Friedensinitiativen in den Minsker Prozess zu integrieren. Die Minsker Treffen führten jedoch jedes Mal zu keinen Fortschritten. Gestern habe ich wirklich einen Vertrag über den Abzug von Rüstungen mit einem Kaliber von weniger als 100 Millimeter unterzeichnet. Doch wie die Praxis es uns immer wieder zeigt, habe ich meine Zweifel, dass all dies auch umgesetzt wird. Denn die Rhetorik der ukrainischen Militärs unterscheidet sich enorm von der Rhetorik der Repräsentanten, die bei den Minsker Verhandlungen teilnehmen… Erst heute früh wurde wieder Donezk beschossen. Das heißt: Gestern gab es noch die Vereinbarung und heute wird wieder geschossen! Von daher kann man sich gut vorstellen, welche Situation daraus entstehen kann.»

Ob (der peinliche Auftritt und) das aktuelle Treffen des ukrainischen Präsidenten mit den Garanten des Minsker Abkommens bei der UN-Generalversammlung in New York der Auslöser für das Setzen seiner Unterschrift unter dem o.g. Rüstungsabzugsvertrag war…?

Also, Freunde: Lasst euch auch weiterhin nicht vom Schweigen unserer Medienwelt verführen. Bleibt immer wachsam und macht bitte den Mund auf, wenn euch jemand erneut schön weiß machen will, dass in Donbass schon lange Frieden (oder Putin) herrscht. Und nur, weil unsere Tagesschau & Co.-«Wahrheitsspezialisten» das Thema Ukraine schon längst in ihre alten Lügenschubladen gesteckt und jetzt ihr «Objektiv» auf das «Nach-der-Ukraine-greift-Russland-nun-auch-die-arme-syrische-Zivilbevölkerung-an»-Blabla gerichtet haben.

Weitere Quellen:

(1) https://novoros-news.com/news/nochnaya-svodka-ot-opolcheniya-29092015-na-0040.html

(2) http://u-f.ru/News/u342/2015/09/24/725030

(3) http://u-f.ru/News/u345/2015/09/29/725412

(4) http://de.sputniknews.com/militar/20150930/304619276.html#ixzz3nKO0vwZs

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Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.