HEUTE VOR 365 TAGEN: 24.11.2013

0
93

Der erste «Massenprotest» seit 2004

Heute vor 365 Tagen begann in der Ukraine die größte Demonstration seit der s.g. „Orangenen Revolution“ (2004). Sowohl in der Hauptstadt als auch in Lwow (Westukraine).

Tausende von Menschen reisten auch aus anderen Teilen des Landes nach Kiew, um an den Demonstrationen teilzunehmen. Sie alle zogen mit EU-Flaggen und Fahnen ukrainischer (nationalistischer) Oppositionsparteien erneut zum Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Während sich die Demonstranten am 22.11. noch relativ passiv verhielten, änderte sich die Atmosphäre zum 24.11. ungemein.

Die ersten gewalttätigen Zusammenstöße mit der Polizei ließen nicht lange auf sich warten. Laut westlicher Medien sollen die Sicherheitskräfte Tränengas und Schlagstöcke eingesetzt haben, um tausende Demonstranten auseinanderzutreiben, wie z.B. ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Doch die Bilder und Videoaufnahmen sprechen genau vom Gegenteil.

Die Sicherheitskräfte traten sehr zurückhaltend auf. Die wenigen Polizisten, die zu sehen waren, trugen nicht mal Kampfmonturen. Augenzeugen berichten, dass anfangs die Rechten auch die Linken Demonstranten vertrieben haben. Erst gegen Abend, als Swoboda-Radikale auf den Sitz des Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch marschierten, traten größere Polizeieinheiten auf. Als die s.g. «friedlichen Demonstranten von Maidan» versuchten, Regierungsgebäude zu stürmen, begann das Chaos. Demonstranten gegen Demonstranten. Demonstranten gegen Polizei.

PayPal

 

Mitten drin statt nur dabei: Die Opposition

Der erste «Massenprotest» am 24. November entstand ebenfalls nicht zufällig: Die Oppositionsparteien hatten die Großdemo schon lange vorher angemeldet. Trotzdem sprechen renommierte «Ukraine-Analysen» in ihrer Chronik von «Spontankundgebungen». Die Oppositionsparteien errichteten im Anschluss «ganz spontan» sogar ihr Protestlager auf dem Europäischen Platz.

Zu dieser Demonstration hatten die drei wichtigsten Oppositionsparteien der damaligen Ukraine aufgerufen, nachdem das Regime Janukowitsch am 21.11.2013 überraschend die Vorbereitungen für die Unterzeichnung eines Assoziierungsvertrags mit der EU abgebrochen hatte. Das Abkommen hätte eigentlich am kommenden Wochenende beim EU-Gipfel in Vilnius signiert werden sollen.

Der Aufruf zur Demonstration kam aus mindestens 3 Polit-Richtungen:

  1. Boxweltmeister Vitali Klitschko (heute Oppositionspartei „Udar“, dt. «Schlag»)
  2. Ex-inhaftierte und frühere Ministerpräsidentin Julija Timoschenko (Partei „Batkiwschtschina“, dt. «Vaterland»)
  3. Oleg Tjagnibok (nationalistische Partei „Swoboda“, dt. «Freiheit»)

Aber auch Arsenij Jazenjuk, der zu dem Zeitpunkt für die Dauer von Julija Timoschenkos Abwesenheit an die Spitze ihrer Partei » Batkiwschtschina» getreten ist, war an der Planung und der Eskalation der Proteste von Anfang an beteiligt.

Einige Führungsfiguren aus Timoschenkos Partei riefen dazu auf, die Demonstration über den Sonntag hinaus auszudehnen. Der stellvertretende Parteivorsitzende Oleg Turtschinow rief die Menschen auf, sich warm anzuziehen, Proviant mitzubringen und so lange vor dem Palast des Präsidenten zu demonstrieren, bis ihre Forderung nach Assoziierung mit der EU erfüllt werde.

 

Emotionale Unterstützung aus dem Knast von Julia Timoschenko

Julija Timoschenko forderte in einem Brief aus dem Gefängnis, den ihre Tochter Jewgenija am 24. November 2013 auf der Demonstration verlas, die Menschen auf, bis zum Gipfel von Vilnius den Druck auf Präsident Janukowitsch „jeden Tag“ zu erhöhen:

„Bis zum Gipfel bleiben uns noch fünf Tage, und wenn wir bis dahin auf den Plätzen bleiben, wenn wir alle unsere Verwandten und alle, die uns nahe sind, mitnehmen, wenn wir eine echte kampfbereite proeuropäische Friedensarmee aufbauen, dann und nur dann können wir Resultate erreichen.“

Maidan aus der Sicht der deutschen Medien

Hintergrund.de: «Über die Hintergründe des eigentlichen Auslösers der Proteste – die Aussetzung der Verhandlungen des Assoziierungsabkommen mit der EU – erfährt der Medienkonsument in Deutschland so gut wie nichts. Nichts darüber, welche Vor- und Nachteile sich beiderseits durch das Abkommen ergeben hätten. Nichts darüber, dass Kiew einen massiven Verlust an Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen befürchtet, aufgrund der geringen Wettbewerbsfähigkeit der ukrainischen Betriebe. Nichts darüber, dass diese erst erhebliche Investitionen, schätzungsweise im dreistelligen Milliardenbereich, tätigen müssten, um die technische Standards der EU erfüllen und dorthin exportieren zu können. Nichts darüber, dass laut einem Papier der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) die Umsetzung des Assoziierungsabkommen der Ukraine „scharfe und zum Teil sozial äußerst schmerzhafte Anpassungen“ abverlange. Und nichts darüber, dass die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung nicht in die EU will. Stattdessen wird die souveräne Entscheidung einer demokratisch legitimierten Regierung – in den Medien zunehmend als „Regime“ tituliert – als ein russischen Drohungen und Erpressungen geschuldetes Einknicken dargestellt.»

 

Kleiner REMEMBERS Rückblick auf den 24.11.2013:

Menschen, Meetings & Musik:

https://www.youtube.com/watch?v=HP1EponYhXo

 

«Wer nicht springt, ist ein Moskal» («Moskal» = abwertend für «Russe»)

https://www.youtube.com/watch?v=oEV9w5jAKBE

 

Alle da: «UPA», «Rechter Sektor», «Swoboda-Partei sowie «EU»- Flaggen

https://www.youtube.com/watch?v=ByEIs0XQqe4

https://www.youtube.com/watch?v=W1tMgmm5UiM

https://www.youtube.com/watch?v=oAm5dKDwBho

 

Der Beginn der Eskalation: Die Rechten auf dem Maidan

https://www.youtube.com/watch?v=1oI5ehtFyrY#t=123

https://www.youtube.com/watch?v=pLtmg2DKaE4

https://www.youtube.com/watch?v=WclLIuHaaGs

Quellen: 

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42485/1.html

http://www.manager-magazin.de/politik/artikel/traenengas-gegen-grossdemonstration-fuer-eu-in-der-ukraine-a-935381.html

http://www.hintergrund.de/201312122914/politik/politik-eu/regime-change-mit-faschisten.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/ukraine-groesste-demonstration-seit-der-revolution-in-orange-12678730.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Euromaidan

 

***

Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.