HEUTE VOR 365 TAGEN: 25.11.2013

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Das Märchen von «Studentenprotesten»

Laut westlichen Medien und in fast allen Chroniken zum Thema «Euromaidan» sollen die s.g. «Studentenproteste» der Beginn der Protestaktionen gewesen sein. So hätten sich Ende November tausende Studierende aus Protest gegen Janukowitschs verweigerte Unterschrift auf dem Maidan versammelt.

 

Und so beispielsweise sah dieser «Studentenprotest» in den Medien aus:

Eurasische Magazin: «Vor allem Studenten und junge Menschen zeigten sich extrem enttäuscht».

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Die Zeit: «Studenten tragen den Aufstand».

Frankfurter Rundschau: «Sie gehören zum harten Kern der Demonstranten».

Spiegel-Online: «Seit Tagen demonstrieren in der Ukraine Zehntausende gegen die Abkehr von der Europäischen Union. Darunter viele Studenten — sie sind das Rückgrat der Revolte.»

Wikipedia: «Nach der Demonstration am 24. November wurde in vielen Universitäten (…) eine Anwesenheitskontrolle eingeführt. Denjenigen, die während der Vorlesungszeit oder auch abends an den Protesten teilnahmen, drohte Exmatrikulation. Die von der Regierung erhoffte abschreckende Wirkung blieb allerdings aus. Die Anzahl der an den Protestmärschen teilnehmenden Studenten stieg von 2.000 am 26. November auf mehr als 10.000 am 28. November an».

euromaidanpress.com: «Die überparteiliche Maidan versammelt mehr und mehr Menschen um sich, während die Teilnahme an den politischen Aktionen auf dem Europäischen Platz abnimmt. Ein noch nicht so genannter Euromaidan, der von Studenten angeführt wird, versammelt sich im Zentrum von Lwiw (Lemberg)».

Ukrainische Nachrichten:

«Alle Menschen, also Studenten, tanzen, singen, die Atmosphäre ist sehr emotional. Alle trinken heißen Tee und Suppe. Morgen gehen sie wieder an die Uni, haben sie gesagt».

Trotz der o.g. «Uni-Streiks» beteiligte sich nur eine niedrige vierstellige Zahl von Studierenden. Die Janukowitsch-kritische Internetzeitung Ljewi Bereg spricht am 25. November etwa von 3.000, Spiegel-Online sogar von bis zu 5.000 Studierenden. Die Millionenmetropole Kiew hat jedoch 99 Universitäten. Allein die 4 größten Hochschulen (KPI, NUBIP, KNTEU und Taras-Schewtschenko) haben zusammen schon rund 120.000 Studenten.

Auch gut zu wissen: Die Protestler selbst hatten reihenweise Hochschüler mit Gewalt vertrieben, da ihnen deren Forderungen zu links waren. Vor allem in den nächsten Tagen eskalierte die «Studenten»-Lage, sodass sie in nur wenigen Tagen schon eine unbedeutende Rundgruppe wurden.

 

Machtwechsel von Anfang an

Dass die Proteste von Anfang an politischer Natur waren, zeigen auch die frühen Forderungen der Menschen nach Janukowitschs Abgang. Vom ersten Tag an waren die Demission von Regierung und Präsident sowie zügige Neuwahlen die Hauptforderungen der Protestierenden.

Am 25. November verlangten Arsenij Jazenjuk («Batkiwschtschina»/»Vaterland»), Witalij Klitschko («UDAR»/»Schlag») und Oleg Tjagnibok («Swoboda»/»Freiheit») dies auch im Parlament. Sie legten ein Gesetzesprojekt vor, das die Entlassung der Regierung aufgrund von «Verrat an den nationalen Interessen des Staates» vorsieht. Davon rückten sie bis zum gemeinsamen Papier mit Janukowitsch und den 3 europäischen Außenministern vom 20. Februar nicht ab — und selbst da nur für wenige Stunden. Dass die Expertin Weisband jedoch ihre ZDF-Zuschauer damals vom Gegenteil überzeugen wollte, überrascht uns an dieser Stelle wohl kaum.

Dass die Rücktrittsforderungen übrigens nicht nur von Oppositionspolitikern kamen, zeigen auch die Resolutionen der Bürgeraktivisten und eine kleine Umfrage des «Gorschenin Instituts» in Kiew: 56 % aller Befragten sagten schon ganz zu Beginn, dass sie hier seien, um für den Rücktritt von Regierung und Präsident zu demonstrieren. Nur 28% nannten die Ablehnung des EU-Abkommens als Grund.

Und wenn man sich zu diesen Hintergrundinformationen noch diesen beliebtesten Maidan-Song unter dem Titel «Vitja Ciao» («Tschüß, Viktor») anhört und ansieht…
https://www.youtube.com/watch?v=Ej-ySqs1oHg

 

Hungern bis die Unterschrift kommt.

Am 25. November 2013 kündigte die zum damaligen Zeitpunkt inhaftierte Julia Timoschenko einen Hungerstreik an — als Protest gegen den Regierungskurs an. Sie erklärt, sie wolle auf diese Weise Präsident Janukowitsch dazu zwingen, das Abkommen auf dem in dieser Woche stattfindenden Gipfel in Vilnius doch noch zu unterzeichnen. Einige Tage später gab sie jedoch auf. Klar: Für ihre landesweite PR-Kampagne hat die Info scheinbar völlig gereicht.

 

Weitere Polit-Highlights des Tages:

In einer Fernsehansprache erklärt Präsident Janukowytsch, dass die Ukraine sich nicht vom Traum der Europäischen Integration verabschiedet habe. Er begründet die Entscheidung, vom Abkommen zurückzutreten, mit wichtigen ökonomischen Erfordernissen, bleibt jedoch unkonkret.

Ein Sprecher des EU-Kommissars für Erweiterung, Stefan Füle, erklärt, dass die EU nicht vorhabe, sich mit Russland und der Ukraine auf trilaterale Gespräche einzulassen. Dies hatte Ministerpräsident Asarow vorgeschlagen, als er ankündigte, die Gespräche mit der EU abzubrechen.

 

Und wieder und wieder:

«Heil der Ukraine! Heil den Helden!»
https://www.youtube.com/watch?v=qVG65hIqSik

 

… Volk vs. Polizei:

https://www.youtube.com/watch?v=URyw-_u69hY

 

… Menschenmassen & Meetings:

https://www.youtube.com/watch?v=hk_J6UkvHOE

 

… (keine zufällig spontan inszenierten) Musikveranstaltungen:

http://www.youtube.com/watch?v=qDq6uI-NqPc

https://www.youtube.com/watch?v=joNbgmWuZkA

 

…. sowie wehende Fahnen aller möglichen Herkunft. Von Ukraine und EU bis «Swoboda» und «UPA».

 

Quellen: 

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42485

http://www.bpb.de/internationales/europa/ukraine/175268/chronik-vom-25-november-bis-zum-11-dezember-2013

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/studenten-in-ukraine-demonstrieren-fuer-europa-nicht-fuer-timoschenko-a-936223.html

http://euromaidanpress.com/2014/06/08/chronologie-der-ukrainischen-revolution/

http://de.wikipedia.org/wiki/Euromaidan

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Wir vergessen nichts.
Wir verzeihen es nie.