«POROSCHENKO BRAUCHT KRIEG, KEIN MINSK»: EIN INTERVIEW MIT ALEKSANDR ZAHARCHENKO (DVR)

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In einem aktuellen Interview mit der renommierten russischen Zeitung «Argumenty i fakty“ (AIF) spricht der Ministerpräsident der Volksrepublik Donezk, Aleksandr Zaharchenko, über die Entstehung der Republik, ihre wirtschaftlichen Perspektiven sowie darüber, warum der Waffenstillstand im Kriegsgebiet bis heute nicht eingehalten und der Donbass nie wieder ein Teil der Ukraine sein wird.

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AIF: Wie entstand aus Ihrer Sicht die Volksrepublik Donezk (DVR)?

Zaharchenko: Mit einem Traum. Ich habe immer von einem unabhängigen, gedeihenden Donezker Staat als Teil der russischen Welt geträumt. Ich denke, die anderen Bewohner unserer Region hatten denselben Traum. Die ukrainischen Politiker verstanden, was das Volk will, und versprachen uns deshalb immer wieder in ihren Wahlprogrammen und populistischen Losungen eine Integration mit Russland, die russische Sprache als Amtssprache, die Erhöhung des Selbstverwaltungsanteils. Sie hatten es uns ständig versprochen, aber dabei immer gelogen.

«Wenn wir heute nicht gegen die braune Willkür protestieren, werden wir morgen vernichtet»

Die Ereignisse 2013-2014 dienten einfach als Katalysator für die Gründung der Volksrepublik Donezk. Der Staatsstreich in Kiew, die Machtergreifung durch die radikalen Nationalisten, die Repressionen gegen ALLE, die damit nicht einverstanden waren — all dies hat eindeutig gezeigt, dass man nicht weiter darauf warten darf, dass irgendein verlogener Politiker seine Versprechungen endlich erfüllt und dabei die Donbass-Stimme hört. Wenn wir heute nicht gegen die braune Willkür protestieren, werden wir morgen vernichtet. Dieser Gedanke kam vielen in den Sinn. Danach wurden die ersten Widerstandstruppen gebildet, wir nahmen die administrativen Gebäude unter Kontrolle. Und das Wichtigste dabei: Wir haben das Referendum durchgeführt. Denn die Ergebnisse des Referendums vom 11. Mai haben deutlich gezeigt, dass das Volk n Donbass gegen den Faschismus ist. Wir verzichten auf ein Leben in einem Land, in dem radikale Nationalisten regieren, wo unsere Geschichte mit Dreck beschmutzt wird, wo die Verräter zu Helden werden, wo die, die nicht einverstanden sind, verbrannt werden, und wo die anderen darauf stolz sind. So entstand die Volksrepublik Donezk.

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AIF: Haben Sie jemals gedacht, dass es irgendwann so kommen wird?

Zaharchenko: Ich hätte nie gedacht, dass es so kommen wird. Ich hatte mir vorher weder politische Gedanken gemacht noch mich in die Politik eingemischt. Wissen Sie, warum alles so gekommen ist? Wir sind anders – wir sind keine Ukrainer. Und dieses un-ukrainische Gefühl war hier seit eh und je. Ich sage es sogar so: Wir zählen uns zur russischen Welt in all ihrer Vielfältigkeit. Wir sind keine klassischen Europäer. Doch leider mussten wir nicht nur ein Teil dieser russischen Welt werden, sondern auch ein Teil ihrer vordersten Frontlinie. Und das ist natürlich schrecklich.

«Die westeuropäische Interpretation des Minsker Abkommens entspricht viel mehr unserem Verständnis als die ukrainische»

AIF: Im Laufe der letzten Pressekonferenz in Debalzewo haben Sie gesagt, dass das ganze Donezker Gebiet zur Zeit von der ukrainischen Armee angegriffen wird. Doch nach Minsk-2 wurde eine konkrete Trennlinie festgesetzt. Kann also die Überschreitung dieser Grenze als Verletzung des Abkommens gesehen werden?

Zaharchenko: Lassen Sie uns klären, was das für eine Grenze war. Das war das Territorium, auf dem damals unsere Einheiten standen. Danach wurde sie schon zweimal geändert: Einmal im Debalzewo-Kessel plus ein paar Änderungen in Lugansk. Deshalb ist diese Grenze kein Dogma und keine Pyramide, die nicht bewegt werden kann. Das ist nur eine Fixierung des Status Quo, der sagt, wo sich bestimmte Einheiten in einem konkreten Moment befinden.

AIF: Ausgehend davon müsste der «Sonderstatus» dem ganzen Donezker Gebiet verliehen werden, und nicht nur der DNR, oder?

Zaharchenko: Der Begriff «Sonderstatus» ist nicht genau definiert. Wir deuten Minsk-2 absolut anders als die Ukraine. Ich sage noch etwas: Die westeuropäische Interpretation des Minsker Abkommens entspricht viel mehr unserem Verständnis als die ukrainische. Unter „Sonderstatus“ versteht Kiew ein Territorium, das unter Kontrolle der Ukraine steht und nach ihren Gesetzen lebt. In unserer Interpretation jedoch ist das ein Territorium, welches sich unter Kontrolle der DVR-Bewohner befindet und nach den Gesetzen unserer Republik lebt. Die Ukraine bleibt dabei für uns als wirtschaftlicher Partner und ein Nachbar, mit dem wir kommunizieren und Kontakte aufbauen müssen. Doch solange wir nicht eine gemeinsame Sprache sprechen, werden keine Änderungen bei der Vergabe des „Sonderstatus“ stattfinden.

AIF: Und wie sieht es mit dem Gefangenenumtausch aus?

Zaharchenko: Leider bleibt diese Frage immer noch problematisch. Ein Gefangenenaustausch erfolgt unregelmäßig. Der im Minsker Abkommen vereinbarte Mechanismus „alle gegen alle“ funktioniert bis heute nicht.

«Wir wollen nicht und werden nie ein Teil des Chaos sein, welches das Land Ukraine heute darstellt»

AIF: Wie stehen Sie die Chancen, dass das Minsker Abkommen früher oder später realisiert wird?

Zaharchenko: Wir verstehen natürlich, dass der einzige, unblutige Weg für die Konfliktlösung der «Minsk» ist. Aber diese Vereinbarungen sollen mit Rücksicht auf unsere Wünsche erarbeitet werden. Die Ukraine muss die Kraft finden, um sich zu ändern. Das ukrainische Volk muss den Faschismus überwinden, das Parlament muss Verfassungsänderungen mit Rücksicht auf unsere Empfehlungen vornehmen. Donbass muss das Recht auf Selbstbestimmung erhalten. Wir wollen nicht und werden nie ein Teil des Chaos sein, welches das Land Ukraine heute darstellt. «Minsk» gibt uns eine Chance, dies alles mittels Verhandlungen zu gewährleisten.




Jetzt erwarten wir den Gegenschritt von Kiew. Kiew muss seine Bereitschaft zur Erfüllung des Minsker Abkommens zeigen. Wenn wir nicht zu 100% daran glauben würden, dass die Minsker Vereinbarungen erfüllt werden können, würden wir zahlreiche Zugeständnisse und Kompromisse nicht eingehen, sondern das Problem mit all unserer Kraft lösen, hart und adäquat. Doch auf Bitten unserer russischen Partner haben wir die lokalen Wahlen in der DVR auf Frühjahr 2016 verschoben. Somit haben wir der Ukraine Zeit gegeben, ihre inneren Probleme lösen und das Niveau einer realen Erfüllung der Vereinbarungen zu erreichen zu können. Wir hoffen, Kiew ist vernünftig genug und verzichtet auf abenteuerliche Pläne, Donbass mit Gewalt zu okkupieren, und macht alles, was in seiner Macht steht, um die Minsker Vereinbarungen zu erfüllen. Die ukrainischen Parlamentarier haben auch noch Zeit, die entsprechenden Gesetze einzuführen. Wenn jedoch die festgelegten Fristen nicht eingehalten werden, werden wir das Problem aus der Situation heraus lösen müssen.

AIF: Hat sich die Situation nach dem letzten Treffen im Normandie-Format nicht geändert? Manche sagten, Merkel und Hollande wollten auf Poroschenko Druck ausüben.

Zaharchenko: Sie können den Kiewer Machthabern und Poroschenko so viel Druck machen, wie sie wollen, aber ihn dazu zwingen, dem Minsker Abkommen zu folgen, können sie nicht. Man muss berücksichtigen, dass der Hauptberater und der „Herr“ von Poroschenko gar nicht Merkel ist. Und auch nicht Hollande. Klar, das sind einflussreiche Politiker, ihnen soll man zuhören, aber direkte Anweisungen bekommt Poroschenko aus Washington. Und die USA haben in diesem Konflikt ihre eigenen Interessen. Da in USA demnächst die Präsidentenwahlen stattfinden, bleibt die Eskalation des Konflikts in Donbass sehr wahrscheinlich.

«Poroschenko kann weder seinen Soldaten erklären, warum sie kämpfen, noch die Radikalen stoppen»

Es ist unbekannt, ob der Einfluss von Paris und Berlin reicht, um die heiße Phase zu vermeiden. Außerdem befindet sich Poroschenko in einer schwierigen Situation. Es geht hier nicht nur um Politik, sondern im großen Maße um wirtschaftliche Konsequenzen. Die Ukraine befindet sich im „Default- Zustand“. Jetzt kommt der Winter, aber die Ukraine konnte ihre Depots mit Kohle und Gas nicht auffüllen. Und sie ist nicht mal in der Lage, dies zu tun. Das heißt: Der Winter in der Ukraine wird hart. Wegen den wachsenden sozialen Spannungen werden auch politische Prozesse reif, bei denen die Radikalen eine Verlängerung des Konflikts verlangen werden. Und der größte Teil der Armee sieht diesen Krieg nicht mehr als «Anti-Terror-Operation» an, sondern als ein Befreiungskrieg. Sie empfinden diesen Krieg als eine Bestrafung. Deshalb machen heute die Soldaten in den Schützengräben schon die Augen auf und denken sich: Was mache ich eigentlich hier? Poroschenko kann den Soldaten nicht erklären, warum sie kämpfen müssen. Die Radikalen aber kann er auch nicht stoppen.

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Im Endeffekt hat er nur eine Lösung: Krieg. Während eines Krieges bleibt Poroschenkos Macht unerschütterlich, aber solange er im Amt ist. Schauen Sie mal: In den Gebieten, wo die ukrainische Armee steht, wird der Waffenstillstand strikt eingehalten. Unsererseits halten wir ihn auch überall ein. Zajzewo, Nowotroizkoje, der Flughafen-Bereich – Peski und Spartak: Dort stehen aber die Strafbataillone. Die unterliegen weder Kiew, dem Innenministerium noch dem Verteidigungsministerium der Ukraine. Sie leben nach ihren eigenen Regeln und können jederzeit aktive militärische Handlungen in jedem Gebiet beginnen. Aber auch das ist noch ein Problem von Poroschenko: Die Antwort seiner Untergebenen auf den Bruch der Minsker Vereinbarungen mit der Wiederaufnahme von Kampfhandlungen wird so adäquat sein, dass sie schon bald in Lwow (Lemberg) aufwachen können.

«Wenn er die Minsker Vereinbarungen erfüllt, wird er zum Verräter und sofort ersetzt.»

AIF: Ist also die strikte Erfüllung der Minsker Vereinbarungen die andere Seite der Medaille, eine weitere Gefahr für Poroschenko?

Zaharchenko: Schauen Sie, so wird sich dann die Situation entwickeln: Der Aufstand wird von innen immer stärker wachsen. Dann wird er zu einem Präsidenten, der nicht fähig ist, die Unabhängigkeit seines Staates zu verteidigen. Denn wir ALLE müssen jedem Punkt der Minsker Vereinbarungen folgen — sei es in Bezug auf den «Sonderstatus» oder auf die Änderungen in der Verfassung. Wenn er sie erfüllt, wird er zum Verräter und sofort ersetzt. Aus diesem Grund braucht er Minsk-2 nicht. Der Moment, als er seine Zustimmung zur Unterzeichnung der Vereinbarungen gegeben hat, war der Moment der Angst nach enormen Verlusten in den Ilowaisk- und Debalzewo-Kesseln. Wegen dieser Verluste und der Unfähigkeit seiner militärischen Einheiten, die Frontlinie zu halten, fing er an, in alle Länder zu gehen und herumzuschreien: „Helft uns! Stoppt es!“. In diesem Moment war er bereit, alles zu unterschreiben.

AIF: Das Gebiet war früher ein Teil der Ukraine. Plötzlich erklärt es seine Unabhängigkeit und man muss lernen, selbstständig zu sein: Ein eigenes Steuer- und Bankensystem aufbauen, die Industrie. Welche Beziehungen bleiben da noch mit Kiew?

Zaharchenko: Kohle und teilweise Strom.

«Wir empfinden uns als Teil Russlands und der russischen Welt.»

AIF: Zahlt Kiew denn regelmäßig für Kohle? Oder ist die Geschichte genau so, wie mit dem russischen Gas?

Zaharchenko: Es ist die gleiche Geschichte: „Es gibt kein Geld!“

AIF: Die ukrainischen sowie die „hochspezialisierten» russischen Medien bezeichnen Donbass als ein Territorium, das von russischen Truppen okkupiert ist.

Zaharchenko: Wissen Sie, früher war ich irritiert deswegen, jetzt sehe ich das mit Humor. Es ist sehr interessant, den Gedanken von „Experten“ (auch in militärischen Dingen), den liberalen russischen Medien, zu folgen, die kein einziges Mal nach Donbass gekommen sind. Sie sollen herkommen und sich das anschauen. Sie sind gerade in meinem Büro. Sehen Sie denn hier auch nur EINEN Okkupanten?

AIF: Apropos Ihr Büro: Sie haben hier 2 Fahnen — DVR und Russland. Warum?

Zaharchenko: Wir empfinden uns als Teil Russlands und der russischen Welt. Und wir haben das nie verheimlicht. Als wir das Referendum durchführten, gingen wir mit den Fahnen der Russischen Föderation auf die Straßen, weil wir mit diesem Land blutsverwandt sind. Verstehen Sie? Das ist unsere Heimat. In Russland gibt es Fahnen der Republiken von Tschetschenien, Nordossetien, Tatarstan — sie haben auch eigene Fahnen. Warum dürfen wir uns nicht auch als ein Teil Russlands verstehen? Das ist unser Wunsch. In meinem Büro können die Fahnen stehen, die ich für notwendig und richtig halte: rechts – die offizielle Fahne der DVR, links – Russlands Fahne. Und auf der linken Seite ist das Herz.

«Die Donbasser Kohleindustrie in der Ukraine diente einem Ziel: Dem Stopfen eigener Taschen mit dem Staatsgeld»

AIF: Was meinen Sie, warum hat sich in Donbass das Krim-Szenario nicht wiederholt?

Zaharchenko: Wissen Sie, es gibt mehrere Meinungen. Meiner Meinung nach war die Krim für die Ukraine nie das Territorium, für das sie wirklich kämpfen wollte. Das hat mehrere Gründe. Erstens war die Krim nie eine Region, aus der die Ukraine Geld bekam. Zweitens ist die Lage der Halbinsel sehr günstig, um der Ukraine „Nein“ zu sagen. Die Situation in Donbass ist aber anders. Hier gibt’s Kohle, Metall, den Hafen von Mariupol — das ist die Energiesicherheit eines Staates. Das Donezker Gebiet war immer eine der wenigen «Geber»-Regionen. Dabei haben wir innerhalb von 1,5 Jahren alle Mythen zerstört, dass die Kohleindustrie nachteilig ist. Bei uns ist sie vorteilbringend. Die Donbasser Kohleindustrie in der Ukraine diente einem Ziel: Dem Stopfen eigener Taschen mit dem Staatsgeld. Unabhängig von den Zerstörungen und den Schließungen vieler Betriebe aufgrund militärischer Kampfhandlungen haben wir mehr Kohle gewonnen, als im analogen Zeitraum im Jahr 2013!

AIF: Das heißt, die DVR könnte eine selbstständige, unabhängige Republik werden?

Zaharchenko: 70% der Felder wurden vermint. Doch zum Entminen haben wir fehlen uns die technischen Mittel. Leider haben sehr viele Menschen während der Kämpfe das Gebiet verlassen. Und das waren unsere Arbeitskräfte und Spezialisten in bestimmten Branchen. Wir haben einen enormen Personalmangel. Wenn wir die Kämpfe und die Zerstörungen nicht hätten, wäre die Donezker Republik binnen kurzer Zeit eine selbstständige Republik, das ist wahr. Aber wir haben als Erbe zerstörte Betriebe, verminte Felder und eine Wirtschaft bekommen, die man im Laufe der letzten 20 Jahre extra zur ihrer Vernichtung vorbereit hat. Das heißt: Der Wiederaufbau wird seine Zeit brauchen.

«Nicht dafür haben wir unser Blut verloren! Nicht dafür sind unsere Kinder gestorben! Nicht dafür muss unser Volk so leiden!»

AIF: Sie haben gesagt, dass die Ukraine am Donbass vorrangig wirtschaftlich interessiert ist, im Gegensatz zur Krim. Aber die Leute, mit denen ich gesprochen habe, sehen sich absolut nicht in der Ukraine und wollen sich überhaupt nicht mit ihr vereinen. Welche Zukunft sehen Sie in dieser Situation für den Donbass? Wäre die Variante von Pridnestrowje (Transnistrien) auch hier denkbar?

Zaharchenko: Pridnestrowje (Transnistrien) ist nicht unser Weg. Wir haben eine gemeinsame Grenze mit Russland, die uns mit einem befreundeten Staat zusammenleben und -arbeiten lässt. Pridnestrowje aber hat diese Grenze nicht. Das ist ein geschlossener Raum, eine Exklave der russischen Welt, die sich in einer Blockade befindet. Es gibt viele Entwicklungsvarianten. Und wissen Sie, auch das ist hier nicht die Frage, wie ich das sehen will. Die Entwicklung der Situation wird uns den Weg zeigen, den wir gehen werden. Aber Eines kann ich genau sagen: Ich werde es nie zulassen, dass wir den europäischen Werten folgen, die die Ukraine propagiert. Nicht dafür haben wir unser Blut verloren! Nicht dafür sind unsere Kinder gestorben! Nicht dafür muss unser Volk so leiden!

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AIF: Wie baut die DVR heute ihre Beziehungen zu Russland auf? Was bedeutet die s.g. «wirtschaftliche Integration», worüber man heute so oft spricht?

Zaharchenko: Integration ist keine Sache von einem Tag. Das dauert. Aber man sieht, dass es nicht einfach nur Träume und Pläne sind, sondern die Realität. Eigentlich hat uns die Ukraine selber den Weg gezeigt, als sie so eine strenge Blockade organisiert hat. Heute ist die Hauptwährung der DVR der (russische) Rubel. Der Hauptwarenumsatz läuft mit Russland. Die Rohstoffquellen sind auf Russland umorientiert. Was die Industrie betrifft, war Donbass immer vorwiegend auf Russland orientiert. Die wirtschaftlich-industriellen Beziehungen sind hier noch aus den sowjetischen Zeiten erhalten geblieben. Und da die ukrainische Macht nichts Neues gebaut oder geschaffen hat, sind diese Beziehungen auch bis heute aktuell. Fast in allen Branchen der Schwerindustrie war es für uns ziemlich leicht, sich auf Russland umzuorientieren.

«Jetzt müssen die Eltern nicht mehr ihren Kindern erklären, dass Bandera in Wirklichkeit kein Held war und dass die Sowjetunion das Nazi-Deutschland nicht angegriffen hat»

AIF: Die Kinder in Donezk lernen heute aus russischen Büchern. Wie war das für die Lehrer, Schüler und Eltern?

Zaharchenko: Natürlich nahmen sie das sehr gut auf. Jetzt müssen die Eltern nicht mehr nach jedem Geschichtsunterricht den Kindern erklären, dass Bandera in Wirklichkeit kein Held war, sondern ein Verräter. Und dass die Sowjetunion das faschistische Deutschland nicht angegriffen hat, sondern den größten Teil Europas von der Nazi-Besatzung befreit hat. Jetzt können wir unsere eigene Literatur in dem Umfang lernen, in dem wir es für nötig erachten, und nicht nur im Rahmen von 2-3 Schulstunden der Fremdliteratur. Und so ist das in allen Fächern. Dabei ist uns die Bedeutung der ukrainischen Literatur aber auch wichtig. In der Verfassung der DVR sind 2 Amtssprachen vorgeschrieben: Russisch und Ukrainisch. Das wurde auch in den Lehrplänen berücksichtigt.

AIF: Jetzt werden die zerstörten Gebäude und die Infrastruktur intensiv wiederaufgebaut, alles wird für den Winter vorbereitet. Wo schöpft man eigentlich die Kräfte dafür?

Zaharchenko: Die Baumaterialien bekommen wir teilweise mit den humanitären Konvois aus der Russischen Föderation. Und dafür wir sind sehr dankbar. Auf dem Donezker Territorium gab es Glasfabriken. Sie sind heute aber nicht unter unserer Kontrolle. Wir können selber Zement, Beton und Schiefer produzieren. Jetzt haben wir 2 Fronten: Eine militärische und eine Bau-Front. Von Kampfhandlungen sind wir nun zum Wiederaufbau unserer Unterkünfte gekommen. Wenn du fährst und siehst, dass es auf irgendeinem Haus noch vor einigen Wochen noch kein Dach gab und jetzt gibt es eins… Wenn du verstehst, dass in einer Woche dort eine Familie wohnen wird… Das ist einfach nur ein unbeschreibliches Gefühl. Dann kommt der Stolz. Weil das nicht die Ukraine gemacht hat, sondern WIR.

Bitte helft uns, Donbass am Leben zu erhalten 

Unterstützt unsere aktuelle Mission zur Sicherung des Überlebens der Donbass-Bewohner, die sich bereits seit über 1,5 Jahren mitten in der Beschusszone befinden. Einfach per Überweisung oder PayPal euren persönlichen Spendenbeitrag an unseren deutschen Partner-Verein „Friedensbrücke“ senden (Betreff: Remembers & Angel) und sich schon heute auf unsere neuen Erfolgsberichte aus den Kriegsgebieten freuen.

Friedensbrücke – Kriegsopferhilfe e.V.
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Konto: Volksbank Berlin
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Betreff (wichtig!): Remembers & Angel

Wir sagen “DANKE & SPASIBO”.
 Für euren Spenden-Einsatz. In unserem Kampf ums Überleben der Zivilbevölkerung im Kriegsgebiet Donbass. Auch im Namen von Aleksej Smirnov – dem Kopf des humanitären Bataillons „Angel“ und unserem treuen Partner vor Ort.

***

„DONBASS WIRD LEBEN“ ist eine internationale Hilfskooperation von REMEMBERS (Deutschland) & dem humanitären Bataillon „Angel“ (Donbass), die wir Anfang November gestartet haben. In diesem Zusammenhang erscheint bei uns seitdem in regelmäßigen Zeitabständen eine mehrteilige Kurzvideo-Dokumentationsreihe, die unsere aktuelle Mission und den leidvollen Kriegsalltag der Zivilisten mitten in der Beschusszone hautnah widerspiegelt.

> Der Hintergrund/Aktionsstart (Start: November 2015): https://remembers.achtungpartisanen.ru/donbass-wird-leben/

> Erfolgreich abgeschlossene Hilfeleistung für:

Kiewskij Gebiet (50 Zivilisten): https://remembers.achtungpartisanen.ru/donbass-wird-leben-2/

Aleksandrowka (150 Zivilsten): https://remembers.achtungpartisanen.ru/donbass-wird-leben-3/

Spartak (50 Zivilisten): https://remembers.achtungpartisanen.ru/donbass-wird-leben-4/

Jakowlewka (100 Zivilisten): https://remembers.achtungpartisanen.ru/donbass-wird-leben-5/

Grigorowka & Nowaja Marjewka (50 Zivilisten): https://remembers.achtungpartisanen.ru/donbass-wird-leben-6/

  1. Plattform, „Volvo-Zentrum“ (50 Zivilisten): https://remembers.achtungpartisanen.ru/donbass-wird-leben-volvo-zentrum/

Spartak 2.0 (100 Zivilisten): https://remembers.achtungpartisanen.ru/donbass-wird-leben-7/

Oktjabrskij (50 Zivilisten): https://remembers.achtungpartisanen.ru/donbass-wird-leben-oktjabrskij/

– Kurganka (100 Zivilisten): https://remembers.achtungpartisanen.ru/donbass-wird-leben-kurganka/

– Gorlowka (Direkthilfe für ausgewählte Familien mit Kindern): https://remembers.achtungpartisanen.ru/gorlowka/

– weitere Berichte aus der Volksrepublik Donezk und Lugansk (über 400 Zivilisten) folgen.

 

Unsere Mission geht weiter.

Fortsetzung folgt.

DONBASS WIRD LEBEN.

Doch dafür brauchen wir DRINGEND eure Unterstützung.

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AKTUELLER SPENDENSTAND:

Aktionszeitraum: 16.11. – 11.12.2015

Spenden-Einnahmequelle: PayPal & Konto-Überweisung

Stephan & Julia D. 20 €

Anja R. 50 €

Susann I. 20 €

Regina & Wilfried K. 20 €

Thomas W. 50 €

Barbara F. 50 €

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Stephan & Julia D. 40 €

Reinhard N. 100

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REMEMBERS.

Für Donbass. Gegen Genozid.

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